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Neue Signaltechnik für
den Bahnhof Braunschweig
Aus Anlaß der Inbetriebnahme des neuen elektronischen Stellwerkes
der Firma Siemens für den Personenbahnhof Braunschweig in der Nacht
vom 25. zum 26. Oktober 2003, soll nachfolgend, mit freundlicher
Genehmigung des Hestra-Verlages, eine interessante Druckschrift
aus der Zeitschrift "ETR-Eisenbahntechnische Rundschau" wiedergegeben
werden, die zur Inbetriebnahme des Relaisstellwerkes der Bauform
SpDrS59 am 05. September 1960 er- schien.
Es handelte sich dabei um einen gigantischen Neubau, da zeitgleich
mit der Errichtung des Relaisstellwerkes auch der gesamte Personenbahnhof
neu gebaut wurde. Er ersetzte den vorher genutzten Kopfbahnhof.
Dadurch waren die Planungen der neu zu bauenden Anlagen um so schwieriger,
als naturgemäß keinerlei Betriebserfahrungen vorlagen auf deren
Basis man die Bahnhofs- und Stellwerksanlagen hätte planen können.
Hinzu kam, daß auch die Spurplan-Stellwerkstechnik zum damaligen
Zeit- punkt noch nicht mit der heute vorhandenen Routine geplant
werden konnte, da erst wenige Stellwerke mit dieser, für die damalige
Zeit hochmodernen Technik, ausgestattet waren.
Um so erstaunlicher ist es, daß die damals geplanten Anlagen den
betrieblichen Erfordernissen über einen Zeitraum von mehr als 43
Jahren gerecht wurden, ja sogar heute noch so befriedigen, daß das
Stellwerk des Abstellbahnhofes nicht in die Umrüstung mit einbezogen
wurde und seine alte Relaisstellwerkstechnik behalten durfte. Dieses
ist vor allem auch daher sehr interessant, da zum Einen durch die
Folgen der Grenzöffnung der Verkehr im Braunschweiger Hauptbahnhof
in den letzten zehn Jahren stark zugenommen hat (IC- und ICE-Verkehr)
und zum Anderen die Vertaktung der, das Braunschweiger Umland erschließenden
Strecken nochmals eine wesentliche Verkehrssteigerung brachte.
Der Umbau des Braunschweiger Hauptbahnhofstellwerkes ist wohl auch
nur aus der Not heraus entstanden, daß die vorhandenen Stellwerksanlagen
aufgrund ihres Alters umfangreicheren Umbauten nicht mehr unterzogen
werden konnten. Dieses erklärt auch, warum der Umbau mehr als Sparvariante
unter Ausklammerung des Abstell- und Rangierbahnhofes sowie auch
insbesondere der Strecke Braunschweig - Gifhorn, die nun als mechanischer
Inselbetrieb inmitten modernster elektronischer Stellwerkstechnik,
weiterhin sehr personalintensiv betrieben wird.
Der heutige Braunschweiger Hauptbahnhof wird nun von der Betriebsleitzentrale
in Hannover ferngesteuert. Einhergehend mit dem Umbau der Stellwerkstechnik
wurde auch eine Bereinigung des Gleis- planes des Braunschweiger
Hauptbahnhofes vorgenommen. So entfielen in den Bahnhofsköpfen etliche
der ursprünglich vorhandenen Gleisverbindungen, wodurch natürlich
auch ein erhebliches Flexibilitätspotential hinsichtlich der Gleisbelegung,
gerade auch bei außerplanmäßigem Betrieb, entfallen ist. Ob man
mit der nun noch zur Verfügung stehenden Gleiskapazität auf die
Dauer wird auskommen können, wird die Zukunft zeigen.
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Neuzeitliche Signalanlagen
für den Personenbahnhof Braunschweig
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VERFASSER
Behr, Ernst, Prof. Dr.-Ing.,
Bundesbahndirektor bei der BD Hannover,
Kärntner Platz 11
INHALT
A. Betriebliche
Verhältnisse und grundsätzliche Anordnung der Anlagen
B. Zentralstellwerk
Bhf
- Stellwerksgebäude
- Bedienungsraum
- Relaisanlage
- Stromversorgung
- Fernmeldeanlagen
C. Rangierstellwerk
Ba
- Allgemeine Anordnung
- Bedienungsraum
- Einrichtungen für den Lokomotivverkehr
- Relaisraum und Stromversorgung
- Fernmeldeeinrichtungen
D. Selbstblock
- Allgemeines
- Sperrzeiten und Blockabschnittslängen
- Anpassung des Selbstblocks an die
Nachbarbetriebsstellen
- Technische Ausführung der Außenanlagen
- Meldetafeln bei den Schrankenposten
und den Übergangsstellen von Selbstblock auf Handblock
E. Fernsteuerung
- Allgemeines
- Abzweigstelle Gabelung
- Abzweigstelle Teufelsspring
- Abzweigstelle Buchhorst
F. Selbsttätige
Zuglenkung
G. Bau und Inbetriebnahme
der Anlagen
H. Ausblick
SONDERDRUCK
aus "ETR-Eisenbahntechnische Rundschau"; © Hestra-Verlag;
10. Jahrgang. Heft 1/2 1961
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Neuzeitliche Signalanlagen für
den Personenbahnhof Braunschweig
Von Professor Dr.-Ing Ernst Behr, Hannover
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Der Ende 1960
in Betrieb genommene Hauptbahnhof Braunschweig ist mit neuzeitlichsten
Stellwerks- und Sig- nalanlagen ausgestattet worden, bei
denen alle Erfah- rungen mit den seit 1945 geschaffenen
Einrichtungen ver- wertet wurden. über die grundlegenden
Gedankengänge und die praktische Ausführung sowie über die
ersten Mo- nate ihrer Bewährung gibt der nachfolgende Aufsatz
einen umfassenden Überblick.
A. Betriebliche Verhältnisse
und grundsätzliche Anordnung der Anlagen
Die Neugestaltung des Eisenbahnknotens Braunschweig und
insbesondere der Bau des neuen Personenbahnhofs stellte
alle Fachsparten des Eisenbahndienstes vor große und vielfältige
Aufgaben. Der Signaldienst stand vor der Notwendigkeit,
für die neuen Streckenführungen und Bahnhofsgleisanlagen
neue Stellwerkseinrichtungen zu schaffen.
Im Zeitpunkt der ersten Planungen der Gleisanlagen war im
Signalwesen die nach 1945 in Gang gekommene Ent- wicklung
der Gleisbildstellwerke schon so weit fortge- schritten,
daß auch große Bahnhofsanlagen in Gleisbild- technik geplant
werden konnten. Es lagen bereits günstige Betriebserfahrungen
mit den ersten größeren Dr-Stellwer- ken Landshut, Wiesbaden
und Ulm vor; dort waren mit den neuen Anlagen auch schon
erhebliche personalwirt- schaftliche Erfolge erzielt worden.
Es war daher selbst- verständlich, daß die Planung der Braunschweiger
Signal- anlagen von Anfang an auf die neuzeitlichen Einrichtungen
der Dr-Technik abgestellt wurde, da man bei dem Neu- bau
der Bahnanlagen alle Möglichkeiten ausschöpfen wollte, um
später eine mit höchster Sicherheit und größter Betriebsbeweglichkeit
verbundene personalsparende Be- triebsführung zu erreichen.
Das größte Objekt dieser neuen Bahnanlagen bildete der Personenbahnhof,
der als Zugbildungsbahnhof für Reise- züge nach allen Streckenrichtungen
und als Abfertigungs- bahnhof für durchgehende Reisezüge
in neuer Lage in der Gegend des alten Braunschweiger Ostbahnhofs
in Durch- gangsform errichtet wurde (Bild
1*). Bei den Überlegun- gen, wie weit man mit der Zentralisierung
der Signalanla- gen würde gehen können, ergab sich bald,
daß der Per- sonenbahnhof selbst von einem Gleisbildstellwerk
aus be- herrscht werden konnte. Die Tagesbelastung von 430
Zü- |
gen und 500 Rangierfahrten
ließ dies ohne Schwierigkei- ten zu. Auch sichtmäßig schien
es möglich, für das Perso- nenbahnhofsstellwerk einen Standort
zu finden, von dem die wesentlichen Teile der Gleisanlagen
zu übersehen wa- ren. Man entschied sich daher für ein
Personenbahnhofs- stellwerk Bhf, wobei allerdings die Frage
zunächst offen blieb, ob es als Anlage mit Befehlsstelle
oder als Zentral- stellwerk ausgebildet werden sollte.
Der Abstellbahnhof, der mit seinem Westteil in den Ost-
kopf des Personenbahnhofs übergeht, sowie eine zwei- gleisige
schienenfreie Verbindung zu dem Bahnbetriebs- werk (Stellwerk
22) und eine eingleisige Verbindung zu den Streckengleisen
nach Schandelah und nach dem Ran- gierbahnhof Braunschweig
besitzt, ist in seiner Betriebs- abwicklung weitgehend vom
Personenbahnhof unabhäng- ig. Es war daher naheliegend,
den Betrieb des Abstell- bahnhofs von einem weiteren Stellwerk
Ba aus leiten zu lassen, das als Rangierstellwerk auszubilden
war. Die be- triebliche Belastung dieses Stellwerks war
mit 1700 Ran- gierfahrten in 24 Stunden ermittelt worden.
Den ursprüng- lichen Gedanken, zwei Stellwerke im Abstellbahnhof
vor- zusehen, hat man später aufgegeben, nachdem sich in
Hannover und an anderen Orten gezeigt hatte, daß die genannte
Betriebsbelastung durch einen Stelltischwärter ohne
Schwierigkeiten verarbeitet werden konnte.
Durch die neue Streckenführung sind im Westen des neu- en
Personenbahnhofs die früheren mit mechanischen Stell- werken
ausgestatteten Abzweigstellen Teufelsspring, Ga- belung
und Okerbrücke in ihrer Lage und Gleisanordnung stark verändert
worden; sie mußten daher neue Signalan- lagen erhalten.
Da bei handbedienten Abzweigstellen we- gen der geringen
Zahl der Weichen, Signale und Fahr- straßen die Bedienungskräfte
sehr schlecht ausgenutzt sind, bot sich die Lösung, diese
Betriebsstellen vom Stell- werk Bhf oder einem anderen geeigneten
Stellwerk aus fernzusteuern oder fernzustellen. Das gleiche
galt im Osten des Personenbahnhofs für die Abzweigstelle
Mücken- burg, die ebenfalls eine neue Lage erhalten hat.
In ihrer Nachbarschaft waren bereits bei dem Bau des Rangier-
bahnhofs Braunschweig noch weitere vier Abzweigstellen (Lünischteich,
Schmiedekamp, Buchhorst und Helmstedter Straße) entstanden.
Ihre Gleisanlagen wurden zwar nicht verändert; es erwies
sich aber doch als
*) Die Bilder 1 bis 15
befinden sich auf der Falttafel Seite 9 bis 14.
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Stellwerksumfang |
Stellwerk |
Summe |
|
Bhf |
Ba |
Abzweigstelle |
Gabe-
lung |
Teufels-
spring |
Buch-
horst |
|
Bauform |
|
SpDrS(30Watt) |
DrS |
|
Haupt- und Hauptsperrsignale |
44 |
1 |
4 |
4 |
3 |
56 |
|
Selbstblocksignale |
1 |
- |
4 |
6 |
- |
11 |
|
Deckungssignale |
14 |
- |
- |
- |
- |
14 |
|
Sperrsignale |
122 |
108 |
- |
- |
- |
230 |
|
Weichen |
145 |
92 |
7 |
6 |
2 |
252 |
|
Kreuzungen |
19 |
2 |
2 |
- |
1 |
24 |
|
Gleissperren |
3 |
5 |
- |
- |
- |
8 |
|
|
|
|
|
|
|
|
Zugstraßen |
165 |
6 |
8 |
7 |
4 |
190 |
|
Umfahrstraßen |
59 |
- |
- |
- |
- |
59 |
|
Rangierstraßen |
1198 |
889 |
- |
- |
- |
2087 |
|
Gleisstromkreise |
229 |
115 |
18 |
18 |
11 |
391 |
|
|
|
|
|
|
|
|
Stellwerksgruppengestelle |
81 |
47 |
5 |
5 |
3 |
141 |
Gestelle
für |
freie Stellwerks-
schaltung |
1 |
1 |
4 |
3 |
1 |
10 |
Zugnummern-
schaltung |
23 |
1 |
- |
1 |
- |
25 |
| Fernsteuerung |
15 |
- |
2 |
2 |
1 |
20 |
selbststätige
Zug-
lenkung |
6 |
- |
1 |
1 |
1 |
9 |
|
Bedienstete je Schicht |
22/3 |
1 |
- |
- |
- |
32/3 |
Tafel: Angaben über die
Stellwerke
zweckmäßig, daß im Vorfeld der großen, mit neuzeitlichen
Einrichtungen, wie Fernsteuerung, Zugnummernmeldung usw.
ausgestatteten zentralen Stellwerksanlage und mit Rücksicht
auf die Personalersparnis diese Betriebsstellen ebenfalls
Fernsteuerung oder Fernstellung erhielten. Dabei wurden
die Abzweigstellen Teufelsspring, Gabelung, Okerbrücke,
Mückenburg, Lünischteich, Schmiedekamp und Buchhorst, die
den Betrieb des Personenbahnhofs wesentlich beeinflussen
konnten, an dessen Stellwerk Bhf angeschlossen. Lediglich
die Abzweigstelle Helmstedter Straße fand Anschluß an das
Stellwerk 2 des Rangier- bahnhofs. Die Frage der Fernsteuerung
oder Fernstellung war bei diesen betrieblichen Überlegungen
ohne Belang; sie hat nur eine technische und wirtschaftliche
Bedeutung und wird im Abschnitt B 2 c eingehend behandelt.
Einen Überblick über die Größe der Anlagen, die von Siemens
& Halske, Braunschweig, gebaut wurden, ver- mitteln die
Angaben der Tafel.
B.
Zentralstellwerk Bhf
1. Stellwerksgebäude
Für die Wahl des Standortes des Zentralstellwerks Bhf waren
vor allem betriebliche Gesichtspunkte maßgebend. Man forderte
eine möglichst umfassende Sicht über den Personenbahnhof,
möglichst guten Überblick über die Bahnsteige und eine Lage
im Schwerpunkt der Rangiertä- tigkeit. Ferner sollten die
Stelltischbediener die Gleisanla- gen vor sich haben, also
nicht mit dem Rücken zum Gleis arbeiten. Diese Überlegungen
führten zu dem in Bild 1
er- kennbaren Standort in reiner Seitenlage südlich des
Ost- kopfes des Personenbahnhofs. Bei dieser Lage des Stell-
werks schauen die Stelltischbediener nach Norden. Das Sonnenlicht,
das die Beobachtung der Melder auf den Stelltischen sehr
erschwert, kann also nur in den Morgen- und Abendstunden.
stören. |
Die Höhe des Bedienungsraumes
über dem Bahnhofspla- num wurde so gewählt, daß einerseits
ein weitreichender Blick über die Gleisanlagen möglich war,
andererseits ab- er auch der Blick auf die Bahnsteigflächen
durch die Dä- cher der Bahnsteige möglichst nicht verdeckt
wurde. Auch strebte man einen möglichst kleinen toten Sichtwin-
kel unmittelbar vor dem Stellwerksgebäude an. Da diese Gesichtspunkte
gegensätzlich sind, mußte eine Kompro- mißlösung gefunden
werden. Nach eingehenden Studien auf den Plänen und örtlicher
Überprüfung wurde die Fuß- bodenhöhe des Bedienungsraumes
auf 9,80 m über den Gleisen festgelegt. Damit wurde man
allen Sichtforde- rungen am besten gerecht.
Bild 2 zeigt das Stellwerksgebäude
Bhf mit der bei Gleis- bildstellwerken häufig gewählten
Anordnung eines Lang- gebäudes mit seitlich angesetztem
Stellwerksturm. Der Turm enthält im obersten Geschoß den
Bedienungsraum, darunter den Fernmelderaum, ferner den Relaisraum
für die Zugnummernmeldung, den Kabelraum, Schrankraum und
den Heizungskeller. Im Langgebäude sind im Keller- geschoß
der Batterieraum, der Dieselmotor-Raum und der Schaltraum
für Starkstromanlagen, im Erdgeschoß der Schaltraum für
das Stellwerk, ferner die Werkstatt und ein Aufenthaltsraum
für Signalwerkführer, im Ober- geschoß der Hauptrelaisraum
für das Stellwerk unterge- bracht.
2. Bedienungsraum
a) Anordnung der Einrichtungen
Bei der Planung der Einrichtungen für den Stellwerksbe-
dienungsraum bestand über die Anordnung der Bedie- nungselemente
für die dem Bahnhof vorgelagerten Ab- zweigstellen von vornherein
Klarheit insofern, als diese von den Fahrdienstleitern des
Personenbahnhofs bedient werden sollten. Die Bedienungstasten
mußten also auf den Stelltischen der Fahrdienstleiter mit
untergebracht oder, falls dies nicht angängig war, in besonderen
Stelltafeln seitlich angeordnet werden.
Dagegen war nicht leicht zu entscheiden, ob ein Durch- gangspersonenbahnhof
mit acht Bahnsteiggleisen sechs einmündenden Strecken und
einer voraussichtlichen Bele- gung durch etwa 430 Zugfahrten
und 500 Rangierfahrten in 24 Stunden eine besondere, ständig
besetzte Befehls- stelle benötigte, in der der Fahrdienstleiter
nur Signalbe- fehle abgibt und Zug- und Rangierstraßen nicht
selbst stellt, oder ob es möglich sein würde, ohne Befehlsstelle
zu arbeiten und die Anlage als Zentralstellwerk auszubil-
den, wobei der Fahrdienstleiter am Stelltisch Zug- und Rangierstraßen
selbst bedient. Das Studium anderer Gleisbildstellwerke
größerer Personenbahnhöfe zeigte, daß man bislang überwiegend
der Ausführung mit Be- fehlsstelle den Vorzug gegeben hatte,
obgleich Anlagen mit Befehlsstellen längere Bedienungszeiten
haben, also schwerfälliger arbeiten als Zentralstellwerke.
In den ersten Jahren der sich neu entwickelnden Dr-Technik
erhielten auch kleinere Bahnhöfe wie beispielsweise Landshut
oder Ulm eine besondere Befehlsstelle. Man lehnte sich dabei
an das Vorbild der mechanischen und elektromechani- schen
Stellwerke an. Die Technik der Dr-Befehlsstellen war von
Anfang an mit entwickelt worden und stand bis vor etwa fünf
Jahren - zuletzt in der Befehlsstellentechnik |
|
des DrS-Stellwerks - für den
Planer zur Verfügung. Bei Beginn der Planung des Stellwerks
Bhf im Jahre 1956 stand bereits fest, daß die Anlage in
der damals noch ganz neuen Spurplan-(SpDr-)Technik
1) ausgeführt werden sollte. Denn die großen Vorteile
dieser Bauart für Pla- nung, Prüfung und Betrieb der Stellwerke
hatten sich bei den ersten Ausführungen in Kreiensen, Offenbach
(Main) und an anderen Stellen bereits klar herausgestellt.
Für die- se Bauart war aber noch keine Befehlsstellentechnik
ent- wickelt. Die Untersuchung der Dr-Stellwerke ähnlicher
Bahnhöfe wie Braunschweig Pbf hatte weiter ergeben, daß
bei Anlagen mit Befehlsstellen mehr Bedienungskräfte nötig
sind als bei Zentralstellwerken. Das geht schon dar- aus
hervor, daß die gesondert angeordnete Befehlsstelle auch
in Tageszeiten mit schwachem Betrieb ständig be- setzt sein
muß. Bei dem Bemühen, für Braunschweig eine Anlage mit einem
möglichst geringen Personalbedarf zu schaffen, schied daher
eine besondere Befehlsstelle aus den Überlegungen von vornherein
aus, zumal sie weder aus betrieblichen Gründen noch wegen
zu starker Belas- tung des Fahrdienstleiters am Stelltisch
gefordert werden mußte. Bei näherer Untersuchung des Personalbedarfs
zeigte sich, daß das Zentralstellwerk einen weiteren Vor-
teil bot: es konnte nämlich eine an die jeweilige Betriebs-
belastung angepaßte wechselnde Besetzung im Bedie- nungsraum
verwirklicht und insbesondere eine Kleinstbe- setzung des
Stellwerks mit zwei Kräften für Nachtstunden mit geringem
Betrieb erreicht werden. Der bei manchen ausgeführten Dr-Stellwerken
erkennbare Mangel nicht ge- nügender Anpassungsmöglichkeit
der Besetzung in ruhigen Betriebsstunden sollte unbedingt
vermieden werden. Aus der wechselnden Besetzung des Stellwerkes
ergab sich auch die Beantwortung der Frage, ob bei einem
Zentral- stellwerk der Stelltisch des Personenbahnhofs für
ein- oder zweimännige Bedienung eingerichtet werden sollte.
Schon wegen der Abzweigstellen erschien es ausge- schlossen,
den großen Stelltisch für den Personenbahnhof bei starkem
Betrieb durch einen Mann bedienen zu lassen. Einmännige
Bedienung sollte andererseits in ruhigen Be- triebsstunden
durch technische Einrichtungen wie Durch- gangsbetrieb,
selbsttätige Zuglenkung u. a. erreicht wer- den. Es mußten
also beide Bedienungsarten möglich sein.
Ein Vergleich der Baukosten bewies schließlich noch, daß
ein Zentralstellwerk einer Anordnung mit Befehlsstelle klar
überlegen war. Man spart Befehlstafel und Befehlsschalt-
einrichtungen, ferner wird der Aufwand für das Stellwerks
gebäude wegen der kleineren Bedienungs- und Relaisräu- me
geringer.
Aus allen genannten Gründen fiel die Entscheidung zu- gunsten
des Zentralstellwerks. Die Anordnung im Bedie- nungsraum
wurde so getroffen, daß bei starkem Betrieb zwei Fahrdienstleiter,
bei schwachem Betrieb ein Fahr- dienstleiter die Hauptstelltafel
des Personenbahnhofs be- dienen. Wenn zwei Fahrdienstleiter
Dienst tun, entscheidet bei Meinungsverschiedenheiten derjenige
des Westbe- reichs. Die Einrichtungen für die Abzweigstellen
wurden in besonderen Stelltafeln links und rechts von der
Hauptstell- tafel untergebracht; sie werden von den Fahrdienstleitern
mitbedient. Die Zugnummernmeldung mit Zugzeitdrucker macht
das Zugmeldeverfahren und damit den Zugmelder entbehrlich.
Es waren an weiteren Arbeitsplätzen daher nur noch je ein
Platz für einen Fahrdienstleiter-Helfer und |
einen Ansager für die Hauptbetriebsstunden
einzurichten. Die Anordnung der Arbeitsplätze geht aus
Bild 3 hervor.
Die Besetzung der Arbeitsplätze kann der jeweiligen Stärke
des Betriebes angepaßt werden. Sie ist wie folgt vorgesehen:
a) Vollbesetzung mit vier Bediensteten durchgehend
während der Inbetriebnahme und in den ersten Wochen danach,
später bei schwierigerer Betriebslage und bei Festtags-
und Ferienverkehr in den Tagesstunden;
b) Regelbesetzung mit zwei Fahrdienstleitern und
einem Helfer bei normaler Betriebslage in den Tagesstunden,
bei schwieriger Betriebslage in den Nachtstunden;
c) Nachtbesetzung mit je einem Fahrdienstleiter und
Hel- fer bei normaler Betriebslage in den Nachtstunden.
Hiernach kann man mit einem durchschnittlichen Perso- nalbedarf
im Stellwerk Bhf von voraussichtlich 22/3
Mann je Schicht rechnen.
b) Hauptstelltafel
Die Hauptstelltafel (Bild
4) enthält die Stellelemente für die Anlagen des eigentlichen
Personenbahnhofs, also der Bahnsteiggleisanlage mit der
östlichen und westlichen Weichenentwicklung, den Wendegruppen
Ost und West sowie der Expreßgutgruppe. Die Grenzen gegen
die Stell- tafeln der Abzweigstellen bilden die Einfahrsignale
des Personenbahnhofs, gegen das Stellwerk Ba die Ein- bruchs-Sperrsignale
des Abstellbahnhofs in den Perso- nenbahnhof. Die Stelltafel
hat eine Größe von 0,83 x 3,35 m und besitzt 20 x 52 = 1040
Stelltischfelder.
Im Bestreben, die Bedienung der Gleisbildstellwerke zu vereinfachen
und Tasten auf den Stelltischen einzusparen, ist eine neue
Bedienungsart für Zug- und Rangierstraßen nach dem Start-Ziel-Prinzip
eingeführt worden. Bei Ein- fahrten wird die Einfahrsignaltaste
nicht mehr, wie bei frü- heren Stellwerken, mit der Gleistaste,
sondern mit der Ausfahrsignaltatste bedient. Bei Rangierstraßen
sind grundsätzlich die Startsperrsignal- und Zielsperrsignaltas-
ten die Bedienungselemente. Bei der geschilderten Bedie-
nungsart werden Gleistasten im allgemeinen nicht mehr benötigt.
In der Hauptstelltafel von Bhf mußte dieses Bedienungs-
prinzip für die Einfahrten abgewandelt werden, weil die
Anlage von Fall zu Fall durch einen oder zwei Fahrdienst-
leiter bedient wird. Die Bahnsteiggleise mußten deshalb
Gleistasten erhalten. Für die Bedienung durch zwei Fahr-
dienstleiter wurde als Bedienungsgrenze auf der Tafel eine
Linie angenommen, die in Höhe der Zugdeckungssignale quer
über den Stelltisch läuft. Durch die Gleistasten der Bahnsteiggleise
wird erreicht, daß bei der Einstellung der Einfahrstraßen
die Fahrdienstleiter nicht über die Bedie- nungsgrenze hinweg
zu greifen brauchen. Bei Zwei- Mann-Betrieb stellt z. B.
der Fahrdienstleiter West die Zugstraße für eine Einfahrt
durch Bedienen der Einfahr- signaltaste zusammen mit der
Gleistaste W (West) bis
1) Sasse, Schaltungsaufbau
des SpDrS-Stellwerks (Bauform Siemens). Signal und Draht
1956, Seite 43. |
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zum Ausfahrsignal her. Den
Durchrutschweg stellt der Fahrdienstleiter Ost durch Bedienen
der Ausfahrsignaltas- te mit der Zustimmungsgruppentaste
ein. Wenn beide Fahrwegteile eingelaufen sind, geht das
Signal in Fahrt. Die Reihenfolge der Handlungen ist beliebig;
Bei Ein- Mann-Betrieb wäre eine solche zweistufige Bedienung
zu zeitraubend; nach Betätigen von Umschalttasten, die in
der Fläche des Bahnsteigs B eingebaut sind, kann dann der
Fahrdienstleiter durch eine Bedienungshandlung nach
dem neuen Bedienungsprinzip - gleichzeitiges Drücken der
Einfahrsignaltaste mit der Ausfahrsignaltaste - die Einfahr-
zugstraße einstellen.
Das Einfahrsignal H und das Ausfahrsignal P 150 des Gleises
150. (Güterzugdurchfahrgleis von Braunschweig Rbf nach Okerbrücke)
können auf Durchgangsbetrieb geschaltet werden; dieser
wird hier in der Regel eingestellt sein, denn nur selten
weichen in diesem Gleis die Züge vom Regelfahrweg ab.
Auf Grund der guten Erfahrungen bei anderen größeren Dr-Stellwerken
in Hannover und Kreiensen wurde auch in Bhf für jeden Regelfahrweg
ein Umfahrweg eingerichtet, wenn ein solcher oberbaumäßig
möglich war. Es stehen insgesamt 59 Umfahrstraßen, das sind
36% der 165 Re- gelzugstraßen, zur Verfügung.
Da man damit rechnen mußte, daß die Zahl der Bahn- steiggleise
bei den zu erwartenden Zugzahlen nur knapp ausreichen würde,
war eine großzügige Ausstattung dieser Gleise mit Zugdeckungssignalanlagen
notwendig. Außer Gleis 1 und 8 haben alle Bahnsteiggleise,
ferner für Loko- motivfahrten auch Gleis 41 solche Anlagen,
durch die die Gleise einmal unterteilt und dadurch doppelt
ausnutzbar werden. Da ein erheblicher Teil der in Braunschweig
Hbf beginnenden und endenden Züge als kurze Triebwagen-
einheiten gefahren werden, wird die Zugdeckungssignal- anlage
wahrscheinlich viel benutzt werden.
Um eine zügige Betriebsabwicklung zu erreichen, haben die
Ausfahrsignale P 6, P 41 und P 150 vom Stellwerk bediente
Beschleunigungs- und Verzögerungsanzeiger
erhalten. Ferner sind an allen Ausfahrsignalen der Bahn-
steiggleise Abfahrauftragssignale mit einem grün
leuch- tenden Ring angebracht, die der Aufsichtsbeamte betätigt.
Alle auf den Bahnsteigen zu bedienenden Einrichtungen wurden
in Bedienungssäulen zusammengefaßt (Bild
5). Diese enthalten die Drucktasten für die Abfahrauftragssig-
nale, die Zugfertigmeldetasten, Bremsprobesignaltasten,
Hilfsfreimeldetasten und die Nottasten für das Auf-Halt-
legen der Einfahrsignale im Gefahrfalle. Eine durch Feder-
druck schließende Klappe entzieht diese Einrichtungen der
Beobachtung durch die Reisenden.
Zur höheren Sicherheit laufen bei den Rangierstraßen die
Schutzweichen in schutzbietende Lage. Diese Regelung wurde
erstmalig bei dem Spurplanstellwerk Kreiensen ge- troffen.
Hiermit sind aber auch, z. B. im Winter bei Schnee und Eis,
Nachteile für den Betrieb verbunden. Es ist noch nicht entschieden,
ob man dieses Prinzip weiter anwenden wird.
Eine für Störungen und Gleissperrungen in Gleisbildstell-
werken neu entwickelte Schutzeinrichtung, die Weichen-
sperrtaste, wurde eingebaut. Soll eine Weiche gesperrt
werden, um beispielsweise einen gesperrten Gleisabschnitt
|
durch abweisende Lage der Zugangsweichen
zu sichern, so bedient der Fahrdienstleiter die Weichensperrtaste
zu- sammen mit der Weichentaste im Gleisfeld. Hierdurch
wird ein Sperrelais (Stützrelais) betätigt, das eine elektri-
sche Sperrung der Weiche in der Weichengruppe be- wirkt.
Die Weiche kann dann weder durch Einzelbedie- nung noch
durch fahrstraßenmäßigen Einlauf umgestellt werden. Die
Weiche gilt hierbei als vom Stellwerk abge- schaltet. Während
der Sperrung leuchtet im Stelltisch der Verschlußmelder
der Weiche mit gelbem Ruhelicht. An der Sperrtaste erscheint
außerdem eine rote Lampe und zeigt dadurch an, daß eine
oder mehrere Weichen ge- sperrt sind. Die Sperrung kann
nur durch eine besondere Bedienungshandlung, Bedienen einer
Weichenentsperr- taste zusammen mit der Weichentaste, aufgehoben
wer- den. Seit einigen Jahren baut man für einen ähnlichen
Zweck in den Gleisbildstellwerken die sogenannte Lauf-
kettensperrung ein, um das ungewollte Umlaufen einer
Weiche bei gestörter unverschlossener Zugstraße und Fahrt
auf Ersatzsignal zu verhüten. Diese Einrichtung bie- tet
nicht den weitgehenden Schutz wie die Weichensperr- taste.
Daher ist letztgenannte Einrichtung jetzt bei dem Bau neuer
Gleisbildstellwerke vorgeschrieben. Die Lauf- kettensperrung,
die einen geringen Aufwand erfordert, wird bei vorhandenen
Dr-Stellwerken nachgebaut; in Bhf wurde sie zusätzlich vorgesehen
aus der Überlegung, daß der Fahrdienstleiter nicht gezwungen
ist, die Weichen- sperrtaste bei Störungen zu bedienen.
Die Laufketten- sperrung wirkt aber zwangsläufig, wenn ein
Ersatzsignal betätigt wird. Mit geringem Aufwand wurde so
für Bhf eine noch höhere Sicherheit in Störfällen geschaffen.
Das Stellwerk Bhf besitzt ferner einen schon seit einigen
Jahren bei Gleisbildstellwerken angewendeten Dämmer-
ungsschalter. Dies ist eine Einrichtung, die die Helligkeit
des Tageslichtes mißt und dem Stellwerkspersonal durch ein
optisches und akustisches Zeichen anzeigt, wann der Zeitpunkt
für die Umschaltung der Lichtsignale von Tag- auf Nachtspannung
und umgekehrt gekommen ist. Der Dämmerungsschalter ist wichtig;
da Signale, die mit Nachtspannung leuchten, am Tage sehr
schlecht zu sehen sind, besteht bei Unterlassen der Umschaltung
die Gefahr, daß Halt zeigende Signale überfahren werden.
Der Däm- merungsschalter in Bhf steuert die optischen und
akusti- schen Anzeigen zur Umschaltung der Signale in den
Stell- werken Bhf und Ba.
Die Hauptstelltafel wurde mit den Stelltafeln für die östli-
chen und westlichen Abzweigstellen (Stelltafeln Ost und
West) in einem hufeisenförmigen hölzernen Bedienungs-
tisch zusammengefaßt (Bild
6). Konstruktiv wurde für die Stelleinrichtung des Personenbahnhofs
eine Stelltafel, ein Blechgehäuse ohne Füße, gewählt, weil
ein Stelltisch für die Braunschweiger Verhältnisse
mit 15° zu schwach ge- neigt gewesen wäre. Die Hauptstelltafel
ist in der Holz- konstruktion des Bedienungstisches mit
einer Neigung von 24°, die seitlichen Stelltafeln sind mit
einer solchen von 34° gelagert. Damit wurde eine bequeme
Bedienung der Tafeln möglich, ohne daß die Sicht auf das
Gleisfeld zu sehr beeinträchtigt wurde. Man ging dabei davon
aus, daß die Einrichtungen im allgemeinen im Stehen bedient
werden, daß es aber auch möglich sein sollte, bei ruhigem
Betrieb die wichtigsten Teile der Tafeln sitzend zu bedie-
nen. Die steilere Neigung macht auch die Zugnummern- Optiken
für die Bediener am Helferpult besser erkennbar. |
|
Während der Planung wurden
der Bedienungstisch und das Helferpult zusammen mit dem
Bedienungsraum in na- türlicher Größe in einem Holzmodell
nachgebildet, um im voraus Klarheit über die räumliche Anordnung,
die Aus- blickmöglichkeiten und die Bedienungsmöglichkeiten
der Tische zu gewinnen. Diesen Aufwand sollte man bei der
Planung großer Gleisbildanlagen nicht scheuen, denn aus
den Hochbauplänen allein gewinnt man selten eine sichere
Vorstellung von den räumlichen Verhältnissen; sie können
die Arbeit der Mannschaft im Bedienungsraum stark nach der
positiven oder negativen Seite beeinflussen.
c) Stelltafeln für die Abzweigstellen
Für die Art der Bedienung der Abzweigstellen im Vorfeld
des Braunschweiger Personenbahnhofs war entscheidend, ob
die Einrichtungen ferngestellt oder ferngesteuert wer- den
sollten. Unter Fernstellung versteht man den unmittel- baren
Anschluß der Weichen und Signale an ein Zentral- stellwerk,
während bei Fernsteuerung örtliche Dr-Stell- werke ohne
Bedienungspersonal vorhanden sind, die mit besonderen Fernsteueranlagen
zur Übermittlung von Stell- befehlen und zur Abgabe von
Meldungen mit der Zentrale verbunden werden. Da Fernstellung
im Nahbereich eines Stellwerks weniger aufwendig ist als
Fernsteuerung, sollte möglichst die erste Stell art angewendet
werden. Sie ist aber nur bis zu einer bestimmten Entfernung
technisch möglich. Die Grenze liegt bei dem SpDrS(30W)-Stell-
werk (vgl. B 3) für Weichen bei einer Entfernung von 3000
m, für Hauptsignale bei 2400 m und für Vorsignale bei 5500
m vom Stellwerk, wenn Sicherungskabel mit 1,4 mm Aderdurchmesser
verwendet werden. Hieraus erga- ben sich im Westen des Personenbahnhofs
für die Ab- zweigstellen Okerbrücke Fernstellung, für Gabelung
und Teufelsspring Fernsteuerung, im Osten für Mückenburg,
Lünischteich und Schmiedekamp Fernstellung, für Buch- horst
Fernsteuerung (Bild 7).
Bei den früheren Dr-Stell- werken mit 20-Watt-Lichtstromkreisen
waren die Stell- entfernungen geringer. Erst die Anwendung
der 30-Watt- Schaltung hat es in Braunschweig ermöglicht,
vier Ab- zweigstellen fernzustellen.
Die Stelltafeln West und Ost (Bilder
8 und 9) haben mit
je 14 x 22 = 308 Feldern eine Größe von 0,60 x 1,46 m. Die
Bedienungs- und Meldeelemente in den Staffeltafeln
für Fernstellung und Fernsteuerung weisen gewisse Unter-
schiede auf, obgleich die Bedienungsart im wesentlichen
einheitlich ist. Bei Fernstellung sind die Regel-Einrichtun-
gen eines Zentralstellwerks vorhanden. Bei Fernsteuerung
von Abzweigstellen werden die Zugstraßen mit Signaltaste
und Streckentaste eingestellt. Für die Auflösung der Zug-
straßen im Störfall sind bei Fernsteuerung Fahrstraßenab-
schnittsauflösetasten vorgesehen. Umstellung einzelner Weichen
ist möglich. Alle Fernsteuerstellen haben örtliche Stelltische,
die vom Bhf eingeschaltet werden können. In der Regel ist
Fernsteuerbetrieb (Melder F) eingestellt, bei Ortsstellbetrieb
erscheint Melder O. Die meisten Fahrwe- ge der Fernsteuerstellen
und der Betriebsstellen mit Fern- stellung können von Ortsbetrieb
(Signale sind stellwerks- bedient, Melder O) auf Durchgangsbetrieb
(Signale sind zugbedient, Melder D) geschaltet werden.
Für die eingeleisigen Streckenabschnitte ist die Erlaubnis
bei Ortsstellbetrieb ohne Durchgangsbetrieb so geschaltet,
daß bei Grundstellung der Anlagen Fahrten |
aus Richtung Braunschweig Hbf
nach den Abzweigstellen möglich sind. Für Gegenfahrten muß
die Erlaubnis abge- geben werden. Diese läuft nach
Beendigung der Zugfahrt selbsttätig zurück. Bei Ortsstellbetrieb
oder Fernsteuer- betrieb mit Durchgangsbetrieb bleibt die
Erlaubnis in Richtung des Durchgangsbetriebes so lange bestehen,
wie dieser eingestellt ist. Bei Zurückstellung auf Ortsbetrieb
geht die Erlaubnis in die Grundstellung zurück.
Bestimmte Störzustände, so z. B. Störungen an Weichen
(Melder W), an Signalen (Melder S), Kommandostörun- gen
(Melder K), Meldungsstörungen (Melder M), wer- den durch
die Fernsteuerung an Bhf übermittelt. Jede der Stelltafeln
Ost und West hat eine Weichensperrtaste. Mit ihr können
die Weichen der ferngestellten Abzweigstellen gesichert
werden. Ferner ist Laufkettensperrung für die Fahrstraßen
dieser Abzweigstellen eingerichtet.
d) Zugnummernmeldung
Die grundsätzliche Einrichtung der Zugnummernmeldung,
der Schaltungsaufbau und die Zugnummernübertragungs- einrichtungen
unterscheiden sich nicht wesentlich von den in letzter Zeit
ausgeführten Zugnummernanlagen in Frank- furt und Dortmund.
Für die Zugnummernübertragung sind besondere Kabeladern
bereitgestellt worden.
Die Zugnummern-Einwahlstellen sind in
Bild 7 dargestellt. In
Braunschweig Rbf befinden sich Einwahlstellen in Stell-
werk 7 und Stellwerk 20. An den Einwahlstellen sind Ein-
wahlpulte aufgestellt, die mit Tastenwählern und Kontroll-
Zugnummernfeldern ausgestattet sind. Die an diesen Stel-
len eingewählten Zugnummern werden nach Bhf auf die Einwahlnummernfelder
übertragen, die auf den Stelltafeln Ost und West sowie auf
besonderen Tafeln in den Zwik- keln zwischen der Hauptstelltafel
und den seitlichen Stell- tafeln angeordnet sind. Diese
Anzeige dient als Zugvor- meldung für Bhf. Die Zugnummer
wird nach Einfahrt des Zuges in den Fernsteuerbereich des
Stellwerks Bhf von Blockabschnitt zu Blockabschnitt weitergeschaltet.
Tastenwähler mit Kontrollfeldern sind auch im Bedie- nungsraum
Bhf am Bedienungstisch für die Einwahl von Zügen, die in
Braunschweig Pbf beginnen, und in der An- sagermeldetafel
(vgl. e) eingebaut.
Zugnummernmeldetafeln für die Zugvormeldung auf den Nachbarzugmeldestellen
sind in Groß-Gleidingen Gbf, Beddingen Büf, Rüningen Rf,
Braunschweig Rbf Stell- werk 2 und 7, Gliesmarode Gnf und
Schandelah Sof vor- handen. Die Zugnummernmeldetafeln für
Schrankenpos- ten und Übergangsstellen von Selbstblock:
auf Handblock werden im Abschnitt D 5, die Zugnummern-Meldeein-
richtung für die Lokomotivübergabe zwischen Stellwerk Ba
und 22 wird im Abschnitt C behandelt.
e) Sonstige Einrichtungen im
Bedienungsraum
Der Bedienungstisch besitzt vor den Stelltafeln eine
27 cm breite Schreib- und Ablagefläche. In dieser sind außer
den Allfernsprechern, die im Abschnitt B 5 erläutert wer-
den, vor dem Arbeitsplatz jedes Fahrdienstleiters eine
rollende bildliche Bahnhofsfahrordnung angeordnet,
die einen Ausschnitt von 2½ Stunden aus der Fahrord- nung
zeigt. Dieser Ausschnitt wird nachts durchscheinend beleuchtet.
Der rollende Streifen wird von Hand weiter- |
|
bewegt.
Für den Fahrdienstleiter-Helfer und den Zugansager wur-
de ein gemeinsames Bedienungspult, das Helferpult
(Bild 3), auf einem 30
cm hohen Podium so angeordnet, daß beide Bediener dieses
Pultes einen guten Überblick über die drei Stelltafeln und
auch eine gute Sicht auf die Gleis- anlagen und Bahnsteige
haben. Die Ziffern der Zugnum- mernfelder in den Stelltafeln
können bei nicht zu ungünsti- ger Beleuchtung noch ausreimend
deutlich erkannt wer- den. Dennoch wurde in das Pult noch
eine Ansagermelde- tafel mit Zugnummernfeldern2)
eingebaut. In der Tischflä- che zwischen den beiden Bedienungsplätzen
hat der Zug- zeitdrucker Platz gefunden, auf dem die Angaben
über den Zuglauf für alle Streckenrichtungen gedruckt werden.
Die Fernmeldeeinrichtungen des Helferpultes sind im Ab-
schnitt B 5 erläutert. Bei Regel- oder Nachtbesetzung des
Stellwerks Bhf wird am Helferpult nur der linke Arbeits-
platz besetzt (vgl. B 2 a).
Alle für den Betrieb des Stellwerks notwendigen Geräte
und Hilfseinrichtungen wie Schlüsselbrett, Schlüssel-
sperren für Behelfsabhängigkeit naheliegender gestörter
Weichen, ferner betriebliche Verzeichnisse u. a. wurden
in den Holzgehäusen des Bedienungstisches und Helferpultes
untergebracht, um das Aussehen des Bedienungsraumes ansprechend
gestalten zu können. Der Kasten für die Er- satzschlüssel
hat im Relaisraum Platz gefunden. Weichen- schlösser und
Zungensperren liegen in einem Schrank im Treppenhaus bereit.
Am Bedienungstisch wie am Helferpult sind alle Zusatz- einrichtungen
eingebaut worden; die Allfernsprecher sind Regelausführungen,
die in die Tischplatten versenkt ein- gesetzt wurden und
wie fest eingebaut wirken. Alle Holz- teile wurden einheitlich
in Nußbaum gehalten; wegen der Bedeutung des Bedienungsraumes
als zentrale Bedie- nungsstelle eines großen Bahnhofsknotens
erhielt er auch eine Holztäfelung. Man war bemüht, durch
sorgfältige Durchbildung aller Einzelheiten eine möglichst
ansprechen- de und geschlossene Wirkung der Gesamtanlage
des Be- dienungsraumes zu erreichen.
Die Raumbeleuchtung wirkt indirekt mit Anstrahlung
der Decke und regelbarer Beleuchtungsstärke, eine Ausführ-
ung, die sich in vielen anderen Dr-Stellwerken bewährt hat.
Bei Ausfall der Netzstromversorgung wird eine Not- beleuchtung
eingeschaltet, die aus dem Diesel-Netzer- satzgerät (vgl.
B 4) gespeist wird.
Sonnenjalousien und ein elektrisch betriebenes Kühlluft-
gebläse sollen dazu beitragen, daß im Sommer bei hohen
Außentemperaturen der Aufenthalt im Bedienungsraum erträglich
bleibt.
3. Relaisanlage
Die Relaisanlage des Stellwerks Bhf ist in der Bauform SpDrS(30
W) (Spurplanstellwerk Bauform Siemens mit. 30-Watt-Signallampen)
ausgeführt. Die 12-Volt/30- Watt-Signalglühlampe, die bei
diesem Stellwerk in den Haupt- und Vorsignalen verwendet
wird, verleiht diesen Signalen eine größere Erkennweite
und eine bessere Er- kennbarkeit in Krümmungen und aus der
Nähe gegenüber Signalen mit 20-Watt-Glühlampen.
Der Anteil der sogenannten freien Relaisschaltung an der
gesamten Stellwerksschaltung beträgt 2%. Die Spurkabel sind
nicht mehr, wie bei früheren Anlagen, unmittelbar an
|
die Weichenrelaisgruppen, sondern
an Lötleisten geführt, die über den Relaisgruppen angeordnet
sind. Dadurch ist die Spurkabelführung vereinfacht worden.
Bild 10 zeigt ein Weichenrelaisgruppengestell
mit den Lötleisten und Spurkabeln. Für die Isolierkreise
der Bahnhofsgleisab- schnitte wurden mit Rücksicht auf eine
spätere Elektrifi- zierung Motorrelais vorgesehen.
Die Relaisgestelle für Zugnummernmeldung, Fernsteue- rung
und selbsttätige Zuglenkung sind im vorderen Teil des Relaisraumes
und in einem angrenzenden Raum im Stellwerksturm untergebracht.
Die Relais dieser Einrich- tungen (Fernmelderelais) sind
in streifenförmigen Relais- gruppen zusammengefaßt.
4. Stromversorgung
Die im Erdgeschoß des Langgebäudes untergebrachte Stromversorgungsanlage
speist das Stellwerk Bhf sowie die Selbstblockanlagen im
Westen bis Abzw. Okerbrük- ke einschließlich, im Osten bis
Gliesmarode und Stellwerk 7 ausschließlich sowie Abzw. Mückenburg
und Schmie- dekamp einschließlich. Stellwerk Ba und die
Fernsteuer- stellwerke mit den an sie angrenzenden Selbstblockab-
schnitten haben eigene Stromversorgungen. Der signal- technische
Knoten Braunschweig wird also dezentral mit Energie versorgt.
Diese Anordnung wurde gewählt, damit die Speisekabelquerschnitte
nicht zu groß wurden und bei Großstörungen in der Stromversorgung
nicht der ganze Knoten zum Erliegen kommt.
Zur Speisung von Bhf bei Netzstromausfall dient eine 60-Volt-
Stellwerksbatterie mit einer Kapazität von 2736 Amperestunden.
Sie kann die Anlage drei Stunden mit Strom versorgen. Im
Schaltraum ist eine Schalttafelan- lage (Bild
11) mit neun Schalttafelfeldern für die Wechsel- strom-
und Gleichstromverbraucher aufgestellt. Sieben mit 60-Volt-Batteriestrom
angetriebene Maschinensätze (ein Stoßlastumformer von 4/16
kVA Drehstrom für Weichen sowie zwei Umformer von je 10
kVA Wechsel- strom für Signale, je ein Umformer von 4 kVA
Wechsel- strom für Meldelampen und Zugnummernoptiken, von
6 kVA Wechselstrom für Gleisstromkreise, von 6 kVA Wechselstrom
für Fernmeldeanlagen und von 2 kW Gleichstrom für Notrot
und Ersatzsignale) erzeugen bei Netzstromausfall die verschiedenen
Stromarten für die Verbraucher.
Bei länger dauernden Störungen übernimmt ein 95-kVA-
Diesel-Netzersatzgerät für 220/380 V Drehstrom mit Luftkühlung
der Dieselmaschine und selbsttätiger Startan- lage (Bild
12) die Versorgung des Stellwerks. Es wird zehn Minuten
nach eingetretenem Netzstromausfall ge- startet; abgeschaltet
und stillgesetzt wird es, wenn das Ortsnetz 15 Minuten lang
Strom geliefert hat. Die 24-V- Starterbatterie des Netzersatzgerätes
wird durch Puffer- schaltung ständig geladen gehalten. Der
Ladezustand wird im Stelltisch durch einen Melder Di überwacht.
5. Fernmeldeanlagen
Die Vorteile der Dr-Technik für den Betrieb lassen sich
bei großen Anlagen nur dann voll ausschöpfen, wenn die Betriebsstellen
und Außenanlagen in großzügiger Weise mit Fernmeldeanlagen
ausgestattet werden. Hierauf wur- de bei der Planung der
Anlage Bhf Rücksicht genommen.
2) Behr, Die
neue Dr-Stellwerksanlage in Hannover Hbf. Signal und Draht
1954, Seite 195. |
|
Im Bedienungsraum sind
am Bedienungstisch drei 80- teilige Allfernsprecher angeordnet,
die die Fahrdienstleiter von ihren Standorten leicht erreichen
können (Bild 6). Diese
Allfernsprecher haben u. a. folgende Anschlüsse: Sprechstellen
im Bahnhof, OB-Verbindungen, Signalfern- sprecher, Wechsellautsprecher
(WL) im Gleisfeld und auf den Bahnsteigen, Rangierfunk,
Zü-Anschluß, Basa-An- schluß. Die Sprechmikrofone für die
WL-Anlagen und den Rangierfunk sind bei der mittleren Sprechstelle
auf dem Bedienungsapparat, bei den äußeren Sprechstellen
als geräuschkompensierende Mikrofone mit Schwanen- halsträgern
in den Zwickeln zwischen Hauptstelltafel und den Stelltafeln
Ost und West angebracht. Die Bedie- nungsplätze des Helferpultes
sind mit je einem 100teiligen Allfernsprecher ausgestattet.
Am linken Arbeitsplatz die- ses Pultes ist die Einwahleinrichtung
für die elektrisch ferngesteuerten Bahnsteig-Zuglaufanzeiger
untergebracht (Bild 6).
In der Hauptstelltafel wird in neuartiger Weise die Zeit
in Zugnummernfeldern angezeigt. Die Stunden- und Minu- tenziffern,
die der Zugzeitdrucker druckt, sind über eine Zugnummern-Relaisgruppe
auf zwei Zugnummernfelder in der Hauptstelltafel geschaltet.
Die Fahrdienstleiter haben Sprechmöglichkeit über WL zu
den Ortsbedienern der Fernsteuerstellen, ferner über Aus-
senlautsprecher an allen ferngestellten und ferngesteuerten
Abzweigstellen zu den Weichenreinigern und Schneefe- gern.
Für den Sprechverkehr des Stellwerks-Unterhal- tungspersonals
dient eine Dr-WL-Anlage vom Bedie- nungsraum zum Relaisraum
sowie eine weitere WL-An- lage zu den drei Fernsteuerrelaisräumen.
Die vierteiligen Sprechstellen dieser Anlagen sind in der
Regel in dem Holzgehäuse des Helferpultes untergebracht
sie werden nur im Bedarfsfall aufgestellt. Tragbare Funkgeräte
des Unterhaltungsdienstes (Bauart Teleport V) können zur
Vergrößerung ihrer Reichweite durch eine Steckdose im Bedienungsraum
mit einer besonderen UKW-Dachanten- ne des Stellwerks Bhf
verbunden werden. Man erreicht dann mit diesen Funkgeräten
die entferntesten Stellen des Fernsteuerbereichs.
Ein im zweiten Obergeschoß des Stellwerksturmes unter- gebrachter
Fernmelderaum erhält die Relaiseinrichtungen des
Fernmeldedienstes, und zwar sechs Relaisgestelle für Allfernsprecher,
sechs Relaisgestelle für WL-, EL- und Dr-WL-Anlagen, ein
Relaisgestell für Zuglaufanzeiger und ein Relaisgestell
für Rangierfunk. Die 24-V-Fernmelde- batterie für die Allfernsprecher
im ersten Obergeschoß hat eine Kapazität von 45 Amperestunden.
Die WL- und Lautsprecheranlagen sowie die Allfernsprecher
können bei Netzstromausfall über einen 6-kVA-Umformer drei
Stunden lang aus der Stellwerksbatterie versorgt werden.
Im Gleisfeld sind 35 WL-Sprechstellen angeordnet.
Auf den Bahnsteigen, im Bahnsteigtunnel, in der Halle des
Em- pfangsgebäudes und in den Räumen der Gaststätte befin-
den sich insgesamt 100 Lautsprecher, die von den Sprechstellen
in Bhf besprochen werden. Zehn Rangierlo- komotiven können
mit Funkeinrichtung zu den Stellwer- ken Bhf und Ba ausgestattet
werden. Tragbare Funkgerä- te können im Personenbahnhof
im Bedarfsfall für den Rangierdienst eingesetzt werden.
Auf den Bahnsteigen sind acht Zuglaufanzeiger für zwei Gleise
und drei Zug- |
laufanzeiger für ein Gleis
aufgestellt. Eine ferngesteuerte Uhrenanlage mit einer Reserve-Hauptuhr
steuert 150 Ne- benuhren im gesamten Knoten Braunschweig.
Die Signal- Kabelschränke haben Steckdosen, über die die
Unterhal- tungsbeamten bei Störungen und Unfällen mit Bahnhofs-
sprechstellen, mit der Signalmeisterei und in die Unfallei-
tungen sprechen können.
C.
Rangierstellwerk Ba
1. Allgemeine
Anordnung
Das Stellwerk Ba wurde im östlichen Dienstgebäude des Abstellbahnhofs
untergebracht (Bild 13).
Dadurch konnte der Stellwerksbedienungsraum, der das oberste
Geschoß dieses Gebäudes bildet (Bild 14), eine günstige,
zentrale Lage zu der Gleisenentwicklung des Abstellbahnhofs
er- halten. Er befindet sich 9,85 m über Planum und ermög-
licht einen umfassenden überblick über den Bezirk des Stellwerks.
Vom Stellwerk Ba aus werden die Anlagen des Abstell- bahnhofs
mit der Abstellgruppe, der Wagenbehandlungs- anlage, der
Postgruppe und der Übergabegruppe Rbf bedient. Das Stellwerk
hat .1700 Rangierbewegungen in 24 Stunden durchzuführen.
2. Bedienungsraum
Der Stelltisch Ba hat entsprechend der Ausdehnung des Abstellbahnhofs
eine erhebliche Größe; . mit 16 x 56 = 896 Feldern ist er
0,70 x 3,67 m groß. Er enthält im we- sentlichen nur Weichen-
und Sperrsignaltasten. Das Hauptgeschäft im Abstellbahnhof
ist das Rangieren mit Rangierstraßen. Diese werden durch
gleichzeitiges Be- dienen der Start- und Ziel-Sperrsignaltasten
gebildet. Es ist nur ein Hauptsignal (V 121-123) als Gruppensignal
für die Ausfahrten aus den Gleisen 121 bis 123 nach Abzw.
Schmiedekamp vorhanden. Für diese Ausfahrten erhält Stellwerk
Ba Befehle von Bhf, die von der Stelltafel Ost in der für
Dr-Befehlsstellen üblichen Form abgegeben werden. Umgekehrt
muß Ba für die Einfahrt von Abzw. Schmiedekamp auf Signal
112 in die Gleise 121 bis 123 Zustimmungen geben. Die Gleise
121 bis 123 haben im Stelltisch Einwahl-Zugnummernfelder
für die Zugfahrten nach Schmiedekamp.
Gegen das Stellwerk Bhf liegt die Grenze des Stellwerks-
bezirks bei den Einbruchs-Sperrsignalen der Gleise 60, 63
und 70 bis 73 in den Bezirk Bhf. Diese Gleise haben ebenfalls
Einwahl-Zugnummernfelder erhalten, in die der Stelltischbediener
vor der Überführung der Zugparks zum Personenbahnhof die
Zugnummern einwählt. Die Leerzü- ge fahren als Rangierfahrten
auf Rangiersignal zum Perso- nenbahnhof. Die Zugnummern
werden bei diesen Fahrten auf den Stelltisch in Bhf übertragen.
3. Einrichtungen
für den Lokomotivverkehr
Für die Lokomotivfahrten zwischen dem Abstellbahnhof und
dem Bahnbetriebswerk des Rangierbahnhofs Braun- schweig
ist eine schienenfrei geführte zweigleisige Verbin- dung
zum Stellwerk 22 geschaffen worden (Gleis 61 und 621;
Bild 1). Diese Gleise unterfahren
die Streckengleise nach Schmiedekamp-Schandelah und von
Abzw. Helm- |
|
stedter Straße. Wegen starker
Neigungen und stark ge- krümmter Gegenbögen sind diese Gleise
sehr unüber- sichtlich. Um Unfälle zu vermeiden, wurden
sie mit einer selbsttätig wirkenden Deckungssignalanlage
ausgerüstet. Zwei Sperrsignale, die die Tunnelabschnitte
dieser Gleise im Zu- und Ablauf vom Abstellbahnhof decken,
zeigen bei freien Gleisabschnitten "Fahrt". Bei Besetzung
der Ab- schnitte werden sie selbsttätig in "Halt" gesteuert.
Der Wärter des Stellwerks 22, von dem aus die Zugloko- motiven
zum Abstellbahnhof überführt werden, wählt bei der Abfahrt
der Lokomotiven zum Abstellbahnhof die Nummern der Züge,
für die sie bestimmt sind, in einen Tastenwähler mit Zugnummern-Kontrollfeld
ein. Bei Ran- gierlokomotiven wird deren Nummer eingewählt.
Diese Nummern werden zum Stellwerk Ba übertragen und leuchten
auf dem Stelltisch in den Zugnummernfeldern für Lokomotivübergabe
auf. Die älteste Meldung erscheint stets im obersten Zugnummernfeld;
später eingehende Zugnummern reihen sich, zeitlich geordnet,
darunter. Die Zugnummer des obersten Feldes wird selbsttätig
gelöscht, wenn die betreffende Lokomotive am Sperrsignal
62II vorbeigefahren ist und der
Weichenabschnitt der Kreu- zungsweiche 213 besetzt wird.
Die übrigen Zugnummern rücken dann nach oben auf. In
Bild 14 sind die sechs
Zugnummernfelder für Lokomotivübergabe in der un-
teren rechten Ecke des Stelltisches zu erkennen. Ein Drucker
in Ba druckt Zugnummer und Uhrzeit der Über- gaben von Stellwerk
12 an Stellwerk Ba. Eine entspre- chende Einrichtung wird
für die Fahrten der Gegenrich- tung geschaffen.
4. Relaisraum
und Stromversorgung
Der im oberen Geschoß des Langgebäudes (Bild
13) un- tergebrachte Relaisraum enthält 48 Relaisgestelle,
die zu acht Gestellreihen zusammengefaßt sind. Die freie
Relais- schaltung beträgt 1 % der Gesamtschaltung.
Der Schaltraum schließt sich an den Relaisraum an; er enthält
außer der siebenteiligen Schalttafelanlage vier Ma- schinensätze:
einen Stoßlastumformer von 4/16 kVA Drehstrom für Weichen,
einen Umformer von 10 kVA Wechselstrom für Signale und Meldelampen,
einen Um- former von 4,4 kVA Wechselstrom für Gleisstromkreise
sowie einen Umformer von 2 kVA Wechselstrom für WL-Anlagen.
Die im Erdgeschoß befindliche 60-V-Stell- werksbatterie
besitzt eine Kapazität von 1152 Ampere- stunden und kann
das Stellwerk drei Stunden lang mit Strom versorgen. Ein
60-kVA-Diesel-Netzersatzgerät übernimmt die Speisung der
Stellwerksanlage bei länger dauerndem Stromausfall.
5. Fernmeldeeinrichtungen
An Fernmeldeeinrichtungen sind im Stellwerk Ba vorhan- den:
a) im Bedienungsraum ein 80-teiliger Allfernsprecher mit
den Sprecheinrichtungen für Rangierfunk und WL-Anla- gen,
und eine Dr-WL-Anlage zum Relaisraum,
b) im Fernmelderaum zwei Relaisgestelle für Allfernspre-
cher, drei Relaisgestelle für WL-, EL- und Dr-WL-Anla- gen
sowie ein Relaisgestell für Rangierfunk,
c) im Gleisfeld 30 WL-Sprechstellen; ferner können trag-
bare Funkgeräte für den Aufsichtsdienst im Abstellbahn-
|
hof eingesetzt werden.
D.
Selbstblock
1. Allgemeines
Die vorgesehene Einrichtung von Fernsteuerung mit Durchgangsbetrieb
auf den dem Hauptbahnhof Braun- schweig vorgelagerten Abzweigstellen
sowie von selbst- tätiger Zuglenkung im Knoten Braunschweig
für eine möglichst flüssige Betriebsdurchführung hatte die
Aus- stattung aller Streckengleise im Knoten mit Selbstblock
zur Voraussetzung. So reicht im Westen in Richtung Groß
Gleidingen der Selbstblock: auf der dreigleisigen Strecke
bis zur Abzw. Teufelsspring. An sich ist es Grundsatz, den
Selbstblock über das letzte Dr-Stellwerk hinaus bis zur
nächsten Betriebsstelle mit mechanischen oder elek- tromechanischen
Stellwerksanlagen zu führen. Die Wei- terführung über Teufelsspring
hinaus scheiterte aber da- ran, daß die Streckengleise Teufelsspring-Groß
Gleidin- gen und Teufelsspring-Beddingen auf Eisenschwellen
la- gen und Mittel für den Einbau von Holz- oder Stahlbeton-
schwellen nicht freigemacht werden konnten. Infolgedes-
sen mußten diese Streckengleise einstweilen mit Relais-
block ausgerüstet werden. Die Isolierung der Strecken- gleise
ist für später vorgesehen. Nach Süden in Richtung Leiferde
reicht der Selbstblock bis zur Blockstelle Was- serwerk,
von Abzw. Gabelung in Richtung Braunschweig Rbf bis zum
Stellwerk 2 dieses Bahnhofs, das die west- liche Einfahrt
in den Rangierbahnhof bedient.
Im Osten des Personenbahnhofs ist der Selbstblock in Richtung
Schandelah bis zur Blockstelle Weddel, im Nor- den auf der
eingleisigen Strecke bis Gliesmarode geführt. Die Streckengleise
von Stellwerk 7 des Rangierbahnhofs nach Bhf, nach Abzw.
Schmiedkamp und weiter eingleisig bis Abzw. Lünischte1dt
und nach Abzw. Buchhorst, fer- ner von Abzw. Schmiedekamp
und Abzw. Buchhorst nach Abzw. Helmstedter Straße haben
ebenfalls Selbst- block erhalten.
2. Sperrzeiten
und Blockabschnittslängen
In der Regel werden bei Selbstblockplanungen dem Sig- naldienst
vom Betriebe die höchstzulässigen Sperrzeiten für die einzelnen
Streckenabschnitte bei den geforderten Zuglasten und Lokomotivbauarten
angegeben. Aus die- sen ermittelt der Signaldienst die Länge
der Blockab- schnitte und Standorte der Selbstblocksignale.
Bei der Planung des Selbstblocks des Knotens Braunschweig
ging man anders vor, weil die Streckenabschnitte kurz waren
und viele Zwangspunkte für die Planung bestan- den.
Für die dreigleisige Strecke Braunschweig Hbf-Abzw. Teufelsspring
wurden vom Betrieb keine Sperrzeiten ge- fordert. Hingegen
wurde zwischen Abzw. Okerbrücke und Abzw. Gabelung auf allen
Gleisen eine Unterteilung durch je ein Selbstblocksignal
(Signal 9, 10, 27 und 28) verlangt, um in allen Richtungen
in ausreichend dichter Folge bei Unregelmäßigkeiten und
Umleitungen von Gü- terzügen über die Personengleise fahren
zu können. Zwi- schen Abzw. Gabelung und Abzw. Teufelsspring
forderte der Betrieb auf den Personenzuggleisen aus ähnlichen
Gründen je zwei Selbstblocksignale (Signale 3 und 5 so-
|
|
sowie 4 und 6); auf dem Gütergleis
wurde nur ein Selbst- blocksignal in jeder Richtung (Signal
23 und 24) verlangt, weil dieses Gleis seltener bei Umleitungen
beansprucht wird; in der Richtung Gabelung-Teufelsspring
kann es z. B. nicht für Umleitung von Reisezügen benutzt
werden. Aus diesen Forderungen ergaben sich für die Personen-
gleise Braunschweig Hbf-Abzw. Teufelsspring und für das
Gütergleis Braunschweig Hbf-Abzw. Gabelung Blockab- schnittslängen
von rund 1000 m, für das Gütergleis Abzw. Gabelung-Abzw.
Teufelsspring von 1600 m. Bei der Wahl der Signalstandorte
mußte außerdem die Lage der Bahnsteigkanten des Haltepunktes
Broitzem berücksich- tigt werden. Hieraus ergab sich, daß
im Gleis Abzw. Teu- felsspring-Braunschweig Hbf das Signal
5 in Richtung auf Abzw. Gabelung versetzt werden mußte.
Es hat vom Sig- nal 7 der Abzw. Gabelung einen verkürzten
Abstand von 842 m erhalten, der die Anbringung eines weißen
Kenn- lichtes am Vorsignal 7 notwendig machte.
Die Selbstblockstrecken von und nach der Blockstelle Wasserwerk
sowie von Abzw. Gabelung nach Braun- schweig Rbf Stellwerk
2, die rund 1500 und 1600 m lang sind, brauchten nicht unterteilt
zu werden. Im Osten war bei den Selbstblockabschnitten zwischen
den eng beiein- ander liegenden Abzweigstellen ebenfalls
keine Untertei- lung notwendig, bis auf das Gütergleis von
Stellwerk 7 nach Bhf, bei dem die Länge von 2750 m schon
vor Um- stellung der Signalanlagen ein handbedientes Blocksignal
erforderlich machte.
In Bild 15 sind die Selbstblockabschnitte
mit ihren Längen und der Anordnung der Selbstblocksignale
dargestellt.
3. Anpassung
des Selbstblocks an die Nachbarbe- triebsstellen
An den Nahtstellen zwischen den Selbstblock- und Handblockanlagen
müssen Anpassungseinrichtungen vor- gesehen werden, damit
die Sicherung der Zugfahrten auf den Streckengleisen lückenlos
von dem einen auf das an- dere Blocksystem übergehen kann.
Die Abzweigstelle Teufelsspring besitzt Selbstblock
in Richtung Gabelung und Relaisblock in Richtung Groß Gleidingen
und Beddingen. Die Anpassungsschaltung zwischen den beiden
Blocksystemen liegt in der Schaltung des DrS-Stellwerks
Teufelsspring.
Die Blockstelle Wasserwerk ist handbedient mit Form-
signalen. Die Anpassung ist mit einer Ausfahrsperrengrup-
pe in Verbindung mit elektrischer Signalhebelsperre und
Signalflügelkupplung für die Fahrt in die Selbstblockstrek-
ke und mit Signalhebel- sowie Fahrt- und Haltrückmel- derkontakten
und Flügelkupplung für die Fahrt aus der
Bild 16: Selbstblocksignal
mit Beton-Schalthaus.
|
Selbstblockstrecke ausgebildet
worden.
Im Stellwerk Braunschweig Rbf ist für das 1961 einzu-
bauende Dr-Stellwerk keine Anpassung an den Selbst- block
von Abzw. Gabelung notwendig.
Zwischen Abzw. Okerbrücke und dem elektromechani- schen
Stellwerk 20 des Bahnbetriebswerk wurde kein Selbstblock
eingerichtet, sondern eine andere Lösung für die Sicherung
der Zugfahrten gewählt. Da das in Oker- brücke abzweigende
Gleis 48 den Charakter eines Bahn- hofsgleises hat, wurde
die Sicherung mit Gleisfreimeldean- lage und Dauerzustimmung
von Stellwerk 20 nach Bhf ausgeführt. Die Zustimmung ist
in der Grundstellung der Anlage in Bhf; nach jeder Zugfahrt
geht sie wieder nach Bhf zurück. Soll ein Zug von Stellwerk
20 nach Abzw. Okerbrücke fahren, so muß der Fahrdienstleiter
von Stellwerk 7 telefonisch in Bhf die Fahrt bestellen und
Be- fehl nach Stellwerk 20 geben. Dann stellen Bhf Signal
40 auf Fahrt und anschließend Stellwerk 20 die Ausfahrt
nach Abzw. Okerbrücke ein.
Das mechanische Stellwerk Gs des Bahnhofs Gliesmaro-
de besitzt als Anpassung eine sogenannte Felderblock- endstelle,
eine einfachere Anpassungsform als die mit Ausfahrsperrengruppe
3).
Die Anpassungen in der mechanischen Blockstelle Wed-
del und dem elektromechanischen Stellwerk 7 Braun-
schweig Rbf sind mit Ausfahrsperrungsgruppen ausge- führt.
4. Technische
Ausführung der Außenanlagen
Die Selbstblocksignale (Bild 16), ihre Schaltung, Licht-
leistung (20 Watt), Stromversorgung und optische Aus- stattung
sind in der gleichen Form ausgeführt, wie bei den in den
letzten Jahren von Siemens & Halske gebauten Selbstblockstrecken.
Die Schalteinrichtungen der Selbstblocksignale sollen künftig
nicht mehr in Blechschränken, sondern in Beton- schalthäusern
untergebracht werden. Diese Unterbring- ung bietet viele
Vorteile wie z. B. Schutz des Personals gegen Witterung
und besseren Wärmeschutz der Einrich- tungen. Der erste
Versuch dieser Art wurde am Selbst- blocksignal 27 unternommen.
Bild 16 zeigt .das Schalt- haus.
Auf den Personengleisen Braunschweig Hbf-Abzw. Teu- felsspring
und auf dem Gütergleis Braunschweig Hbf- Abzw. Gabelung
sind entsprechend den im Regelabstand stehenden Selbstblocksignalen
die Vorsignale am Mast der Hauptsignale angebracht
(Bild 16). Die Signale 22, 23, 24 und 25 des Gütergleises
Abzw. Gabelung-Abzw. Teufelsspring mit 1600 m Abstand, ebenso
Signal 101 am Gütergleis Stellwerk 7-Braunschweig Hbf haben
alleinste- hende Vorsignale.
Gewisse Schwierigkeiten sind bei der Isolierung der Gl-
eiskreise durch die Stahlbetonschwellen entstanden.
14 Abschnitte mit Längen zwischen 470 und 1440 m liegen
im Knoten Braunschweig auf Betonschwellen. Bei Mes- sungen,
die im Winter 1959/1960 an vier Gleiskreisen durchgefiihrt
wurden, ergaben sich sehr unbefriedigende Bettungswiderstände
zwischen 0,3 und 0,9 Ohm/1000 m.
3) Sasse, Grundzüge
der Schaltung des Fernbahn-Selbstblocks. Signal und Draht
1957, Seite 17. |
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Vom Signaldienst muß ein Wert
von mindestens 1,5 Ohm/l000 m gefordert werden, damit die
Selbstblockein- richtungen sicher arbeiten. Der Grund für
die schlechten Werte wird in der Zusammensetzung des Betons
der Sch- wellen vermutet. Versuche sind durch das Bundesbahn-
Zentralamt Minden eingeleitet worden, um die Wider- standswerte
der Betonschwellen zu verbessern. Da die Schwellen in den
genannten Gleisabschnitten wegen der hohen Kosten nicht
ausgetauscht werden konnten, wur- den die Widerstandswerte
durch Einbau von Kunststoff- (sogenannten Plastelan-) Unterlagen
unter den Unterlags- platten und teilweise von Schwellenschrauben
mit Kunst- stoffüberzug auf 1,7 bis 4,8 Ohm/1000 m verbessert.
Da aber die eingebauten Kunststoffteile im Laufe der Zeit
verschleißen, muß damit gerechnet werden, daß sich die Widerstandswerte
nach einigen Jahren wieder verschlech- tern. Eine Erneuerung
der Kunststoffteile in gewissen Zeit- abständen wird wahrscheinlich
nicht zu vermeiden sein.
5. Meldetafeln
bei den Schrankenposten und den Übergangsstellen von Selbstblock
auf Handblock
Besondere technischen Einrichtungen werden auf Selbst- blockstrecken
mit Fernsteuerung und Zugnummernmel- dung bei den Schrankenposten
notwendig, um diese über den Lauf der Züge zu unterrichten.
Da das Zugmeldever- fahren durch die Zugnummernmeldung ersetzt
ist, können die Schrankenposten durch Mithören der Abmeldung
der Züge (Frankfurter Verfahren) nicht mehr verständigt
wer- den. Man forderte daher
a) an Bahnübergängen mit schwächerem Verkehr An-
rückmelder für soviel rückliegende Blockabschnitte, daß
ein zeitgerechtes Schließen der Schranken auch bei den höchsten
vorkommenden Zuggeschwindigkeiten möglich ist. Bei Einfahrt
des Zuges in den ersten Anrückabschnitt ertönt ein Wecker,
der vom Schrankenwärter abgeschal- tet werden kann.
b) an Bahnübergängen mit stärkerem Verkehr An- rückmelder
wie unter a, außerdem für den ersten Anrück- abschnitt jeder
Richtung Übertragung der Zugnummer.
Nach diesen Gesichtspunkten ausgestattete Meldetafeln werden
bei den Schrankenposten im Knoten Braun- schweig aufgestellt.
Bild 17. zeigt eine solche Tafel für die Blockstelle Wasserwerk,
vor der aus eine Ortsschranke bedient wird. Man erkennt
aus dem Bild, daß für jede Streckenrichtung zwei rückliegende
Blockabschnitte ge- meldet werden. Von Braunschweig Hbf
her (rechte Seite der Tafel) liegt zwischen dem ersten und
zweiten Block- abschnitt die Abzw. Okerbrücke mit drei Ausfahrmög-
lichkeiten nach Leiferde auf Signal 51, 30 und 40. Daher
waren drei Anrückmelder und drei Zugnummernfelder für den
ersten Anrückabschnitt dieser Richtung notwendig. Die Meldetafel
hat - abweichend von den Tafeln reiner Schrankenposten -
zusätzlich noch Zugnummernfelder für die zweiten Anrückabschnitte
für den Betrieb als Über- gangsstelle von Selbstblock auf
Handblock, ferner Halt- und Fahrtmelder und Stelleinrichtungen
für die Ersatzsig- nale der handbedienten Blocksignale 53
und 54.
Ähnliche Meldetafeln mit Zugnummernfeldern sind auf den
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anderen Übergangsstellen von
Selbstblock auf Handblock in Gliesmarode Gnf und Blockstelle
Weddel vorhanden.

Bild 17: Meldetafel für Blockstelle
Wasserwerk.
E.
Fernsteuerung
1. Allgemeines
Die wesentlichen Grundlagen der Fernsteueranlagen dür- fen
als bekannt vorausgesetzt werden4).
Aus den im Abschnitt B 2 c erläuterten Gründen zu gros-
ser Stellenentfernung mußten die drei Abzweigstellen Ga-
belung und Teufelsspring im Westen und Buchhorst im Osten
des Knotens Braunschweig Fernsteuerung erhalten (Bild 7).
Dort mußten also Dr-Stellwerke errichtet wer- den, die die
notwendigen Einrichtungen für Fernsteuerung und örtliche
Betriebsweise enthielten. Da mit Rücksicht auf das 1958
in Betrieb zu nehmende dritte Gleis zwi- schen Teufelsspring
und Gabelung mit Planung und Bau der westlichen Fernsteuerstellen
sehr frühzeitig begonnen werden mußte, erschien es ratsam,
sie in der Bauform DrS zu bauen, deren Entwicklung damals
abgeschlossen und für die Fernsteuerung ohne weiteres verwendbar
war.
Die Fernsteuerstellwerke mußten grundsätzlich
a) einen Bedienungsraum mit Stelltafel für Ortsbetrieb,
b) eine Relaisanlage mit Fernsteuerteil,
c) eine Stromversorgung und
d) eine Notstromversorgung
erhalten. Die Fernsteuerung wurde als Knotenfernsteue- rung
ausgebildet; es führen also zu den drei Fernsteuer- stellen
getrennte Fernsteuerkanäle. Die Abzweigstellen Teufelsspring
und Gabelung sind mit je zwei Kanälen, Buchhorst mit einem
Kanal angeschlossen. Ein Kanal enthält zwei Fernmeldeadern.
4) Sasse, Ferngesteuerte
Signalanlagen. Signal und Draht 1960, Seite 17.
Bild 18: Stellwerksgebäude
Abzweigstelle Gabelung.
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Die Meldungen der Selbstblocksignale
gehen über die Meldeleitungen dieser Signale zur rückliegenden
Betriebs- stelle, also z. B. für die Signale 3, 5, und 23
zur Abzw. Teufelsspring. Von den Fernsteuerstellen werden
die Meldungen über die Fernsteuerung nach Bhf übertragen.
Die Kommandos zu den Selbstblocksignalen laufen über den
gleichen Weg in umgekehrter Richtung.
2. Abzweigstelle
Gabelung
Die Abzweigstelle Gabelung (Bild 18) hat das bei einem unbesetzten
Fernsteuerstellwerk übliche Aussehen ein schmuckloses Gebäude
mit Fenstern, die durch Blechlä- den verschlossen sind.
Das oberste Geschoß enthält den Bedienungsraum sowie den
Relaisraum, in dem auch die Schalttafeln und Umformer der
Stromversorgung unterge- bracht sind. Im Untergeschoß des
an den Damm ange- lehnten Gebäudes befindet sich der Batterieraum
sowie ein Raum für ein fahrbares Diesel-Netzersatzgerät.
Die Ortsstelltafel im Bedienungsraum (Bild 19) läßt die
Bedienungselemente und Melder eines Dr-Stellwerkes er- kennen.
Die Ortsstelltafel ist bei Fernsteuerbetrieb ausge- schaltet.
Die Melder sind dunkel und die Stelltasten un- wirksam.
Bei Umschaltung in Bhf von Fernsteuerbetrieb auf Ortsbetrieb
wird in Gabelung die Ortsstelltafel einge- schaltet; die
Melder leuchten auf und die Tasten sind wirksam. Umschaltung
auf Ortsbetrieb wird aber nur in Ausnahmefällen vorkommen,
z. B. wenn bei Arbeiten an der Fernsteuereinrichtung oder
an den Leitungskanälen mit dem zeitweiligen Ausfall der
Fernsteuerung gerechnet werden muß. Tritt im Regelbetrieb
eine Störung der Fern- steuerung ein, die nicht alsbald
behoben werden kann, so muß das Fernsteuerstellwerk besetzt
werden. Der Bedie- ner, der nach Gabelung geschickt wird,
schaltet mit einem Schlüssel, den er in der oberen rechten
Ecke der Orts- stelltafel einführt, die Tafel auf Ortsbetrieb
und kann dann örtlich bedienen. Die Hauptfahrwege können
auf Durch- gangsbetrieb (Melder D) geschaltet werden. Die
Orts- stelltafel hat keine Zugnummernfelder, weil bei einer
Stö-
Bild 19: Stellwerksgebäude
Abzweigstelle Teufelsspring.
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Bild 20: Bedienungsraum der Abzweigstelle
Gabelung.
rung der Fernsteuerung unter Umständen auch die Zug- nummern-Übertragung
gestört sein könnte. Der Zugver- kehr wird bei einer Störung
nach Weisungen des Fahr- dienstleiters Bhf an den Bediener
der besetzten Fernsteu- erstelle, die über eine WL-Anlage
übermittelt werden, durchgeführt.
Die Relaisanlage enthält neun Gestelle für die Stellwerks-
schaltung, zwei Gestelle für Fernsteuerung und ein Gestell
für selbsttätige Zuglenkung. eine dreiteilige Schalttafelanla-
ge und je ein Umformer von 2/8 kVA für Weichen und 2 kVA
für Signale und Gleisstromkreise sowie eine 60-V- Stellwerksbatterie
von 504 Amperestunden (achtstündige Reserve) versorgen das
Stellwerk Gabelung, die Selbst- blocksignale 9, 10, 27,
28 und die Selbstblockabschnitte bis Okerbrücke mit Strom.
Bei länger andauernden Stö- rungen wird das fahrbare Diesel-Netzersatzgerät
von 20 kVA, das im Dieselraum des Stellwerks untergebracht
ist, eingeschaltet.
3. Abzweigstelle
Teufelsspring
Bei dem Gebäude der Abzweigstelle Teufelsspring bietet sich
das Bild eines besetzten Stellwerks (Bild 20). Die ferngesteuerte
Abzw. Teufelsspring muß wegen einer die Gleise nach Groß
Gleidingen und Beddingen kreuzenden Straße mit einem Schrankenwärter
besetzt bleiben. Daher mußte auch der Bedienungsraum des
Stellwerks mit freier Ausblicksmöglichkeit nach drei Seiten
gebaut werden. Das Untergeschoß enthält den Relaisraum,
Schaltraum, Batterieraum und Heizungsraum.
Im Bedienungsraum (Bild 21) ist die Ortsstelltafel des Dr-
Stellwerks ähnlich wie in Gabelung in Schräglage am Ar-
beitsplatz des Bedieners angeordnet; auf dessen Arbeits-
tisch befindet sich noch die vierteilige WL-Sprechstelle,
Uhr und Fernsprecher.
Die Ortsstelltafel wird wie bei der Abzw. Gabelung ein-
und ausgeschaltet. Wenn die Fernsteuerung - voraussicht-
lich 1961 - in Betrieb genommen wird, kann der jetzt ein-
gesetzte Fahrdienstleiter durch einen Schrankenwärter er-
setzt werden; dieser erhält dann eine Meldetafel mit An-
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rückmeldern und Zugnummernfeldern nach den im Ab- schnitt
D 5 b angegebenen Grundsätzen. Die abgeschal- tete Ortsstelltafel
wird durch eine verschließbare Blech- haube unzugänglich
gemacht. Der Schrankenwärter hat für Zugfahrten von Beddingen
und Groß-Gleidingen noch je eine Zugschlußmeldetaste zu
bedienen, womit die Rückblockung selbsttätig nach den beiden
Betriebsstellen zurückgeht.
Die Relaisanlage besteht aus acht Gestellen für die Stell-
werksschaltung, zwei Gestellen für Fernsteuerung, einem
Gestell für selbsttätige Zuglenkung und einem Gestell für
Zugnummernmeldung. Die Stromversorgung enthält eine dreiteilige
Schalttafelanlage,. zwei Umformer von 2/8kVA für Weichen
und von 4,4kVAfür Signale und Gleich- stromkreise sowie
eine 60-V-Batterie von 720 Ampere- stunden mit achtstündiger
Reserve. Von dieser Stromver- sorgung werden auch die Selbstblocksignale
3 bis 6, 23, 24 und die Selbstblockabschnitte bis Gabelung
gespeist. Das in der Abzw. Gabelung untergebrachte Diesel-Netz-
ersatzgerät wird bei länger dauernden Störungen auf der
Straße zur Abzw. Teufelsspring gebracht und dort einge-
schaltet.
4. Abzweigstelle
Buchhorst
Die ferngesteuerte Abzweigstelle Buchhorst ist im Gebäu-
de der früheren mechanischen Abzweigstelle unterge- bracht
worden, um Kosten zu sparen. Der ehemalige Be- dienungsraum
ist durch eine Glaswand in einen größeren Raum zur Aufnahme
der Relaisanlage, der Schalttafeln und der Umformer und
einen kleineren für die Ortsstellta- fel unterteilt. Die
sonstige Ausstattung des Bedienungsrau- mes mit WL-Anlage,
Fernsprecher und Uhr entspricht derjenigen von Teufelsspring.
Die Batterie ist im früheren Spannwerksraum untergebracht;
im Erdgeschoß ist aus- serdem ein Fernmelde- und Werkstattraum
eingerichtet.
Die Relaisanlage enthält vier Gestelle für die Stellwerks-
schaltung, je ein Gestell für Fernsteuerung und selbsttätige
Zuglenkung. Mit Strom werden das Stellwerk Buchhorst sowie
die Selbstblockabschnitte bis Schmiedekamp, Stellwerk 7,
Helmstedter Straße und Weddel durch eine dreiteilige Schalttafelanlage,
durch zwei Umformer von 1/4 kVA für Weichen und von 2kVA
für Signale und Gleisstromkreise sowie durch eine 60-Volt-Batterie
von 360 Amperestunden (achtstündige Reserve) versorgt. |
Bei langdauernden Störungen
muß das Diesel-Netzer- satzgerät der Abzw. Gabelung eingesetzt
werden. Zur Abzweigstelle Buchhorst besteht dafür kein Zugang
von der Straße her; das Gerät wird deshalb im Bedarfsfall
zum Schrankenposten Grüner Jäger überführt, wo ein Notstromsteckanschluß
mit einer Speisekabelverbindung zur Abzweigstelle angeordnet
wurde.
F.
Selbsttätige Zuglenkung
Das für den Knoten Braunschweig vorgesehene System der selbsttätigen
Zuglenkung arbeitet nach dem Prinzip des Annäherungsanstoßes
durch den Zug in Verbindung mit einem eingewählten Richtungskennzeichen
zur Fahr- wegauswahl. Dieses System ist in Deutschland erstmals
im Knotenstellwerk Frankfurt angewandt worden 5).
Erst durch die selbsttätige Zuglenkung werden die Fahrdienst-
leiter im Zentralstellwerk Bhf so entlastet, daß der gewün-
schte kleine Personalaufwand entsteht.
Die selbsttätige Zuglenkung erfaßt alle ferngestellten und
ferngesteuerten Abzweigstellen, die vom Zentralstellwerk
Bhf bedient werden. Sie beginnt an den äußeren Grenzen des
Fernsteuerbereichs und endet vor den Einfahrsignalen des
Personenbahnhofs, der aus der selbsttätigen Zuglen- kung
ausgespart ist. Zuglenkbetrieb ist bei Fernsteuerstel- len
neben Ortsstellbetrieb (OB) und Fernsteuerbetrieb (FB) ein
dritter Betriebszustand. Dieser wird durch Be- dienen der
Bahnhofseinschalttaste mit der Zuglenkbe- triebstaste eingeschaltet
und auf den Stelltafeln Ost und West durch den Melder ZlB
angezeigt.
Der Lauf des Zuges auf den Abzweigstellen wird durch ein
Richtungskennzeichen bestimmt, nach dem sich die Fahrwege
selbsttätig bilden. Für die Festlegung des Kennzeichens,
das aus einer Buchstaben-Zahlen-Kombi- nation besteht, wird
die erste Stelle der sechsstelligen Zugnummernanzeige benutzt;
der Buchstabe gibt das Ziel an, die Zahl kennzeichnet die
Richtung.
Im Regelfall laufen die Vorgänge in folgender Weise ab:
An der Einwahlstelle, z. B. Vechelde, wird für den Zug,
der sich dem Knoten Braunschweig nähert, die Zugnum- mer
mit dem Richtungskennzeichen eingewählt und nach dem Zentralstellwerk
Bhf in das Zugnummern-Einwahlfeld übertragen. Die Einrichtung
der Zuglenkung greift das Richtungskennzeichen aus der Zugnummer
ab und über- trägt es über die Fernsteuerung nach Abzw.
Teufels- spring, wo es gespeichert wird. Aus dem Speicher
wird das Richtungskennzeichen abgerufen, wenn der Zug den
Einschaltpunkt der Zuglenkung befährt; dieser kann ein passend
liegender Isolierstoß oder auch ein Schienenkon- takt sein.
Sind alle Vorbedingungen für die Fahrt erfüllt, so bewirkt
das Richtungskennzeichen, daß der gewün- schte Fahrweg eingestellt
wird. Kann die Fahrt zunächst nicht ausgeführt werden, weil
beispielsweise eine feindli- che Fahrt noch nicht beendet
ist, so wird der Signalauf- trag gespeichert.
Der Fahrdienstleiter kann in den Ablauf der selbsttätigen
Zuglenkung jederzeit eingreifen und ihre Wirkung aufhe-
5) Kümmell,
Selbsttätige Zuglenkung. Signal und Draht 1958, Seite 236.
1-2500-009 Printed in Germany |
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ben, wenn dies betrieblich
erforderlich ist. Er muß nach Ausschaltung der Zuglenkeinrichtung
die Fahrwege ein- zeln einstellen. Störungen der selbsttätigen
Anlagen haben eine Sperrung der Steuereinrichtungen zur
Folge, so daß Fehlleitungen von Zügen vermieden werden;
auch in die- sen Fällen muß der Fahrdienstleiter die Bildung
der Fahr- wege selbst übernehmen.
G.
Bau und Inbetriebnahme der Anlagen
Die neuen Signalanlagen des Knotens Braunschweig sind sehr
umfangreich. Deshalb war sowohl ihr Bau, der 1954 begann,
sich bis in das Jahr 1961 erstrecken und einen Aufwand von
etwa 9 Millionen DM erfordern wird, wie auch ihre Inbetriebnahme
nur stufenweise möglich.
Bautechnisch war die erste Stufe die Verlegung und Hochlegung
der Betriebsgleise des alten Braunschweiger Ostbahnhofs
im Jahre 1953. Für die vorübergehende Aufnahme der Stellwerksanlagen
dieses neuen Betriebs- und Überholungsbahnhofs wurde das
Stellwerksgebäude Bhf in der heutigen Form errichtet. In
ihm wurde 1954 ein Dr-Stellwerk Bof der vereinfachten Bauform
DrS3(2) in Betrieb genommen; es diente bis zur Fertigstellung
von Bhf als Umbaustellwerk für elf Bauzustände, mit denen
allmählich die endgültige Lage aller Gleise im neuen Per-
sonenbahnhof erreicht wurde.
In den Jahren 1957 und 1958 folgte der Bau der Güter- bahn
von Wolfenbüttel und Salzgitter-Drütte nach Bed- dingen
mit Weiterführung über das neue Gütergleis in Richtung auf
den neuen Personenbahnhof. Hierfür wurde die neue Abzweigstelle
Teufelsspring gebaut und am 4. 8. 1958 als Ortsbedientes
Stellwerk in Betrieb genommen. Zwischen dem Haltepunkt Broitzem
und der jetzigen Ab- zweigstelle Gabelung entstand eine
mechanische Hilfsab- zweigstelle Fuhse, die bis zur Eröffnung
des Personen- bahnhofs in Betrieb war. Bei dieser Betriebssteile
zweig- ten die Gleise zum alten Personenbahnhof von den
nach Okerbrücke-Schmiedekamp führenden Streckengleisen ab.
Der Bau der Gleis- und Weichenanlagen sowie des Fern- steuerstellwerks
der Abzweigstelle Gabelung (neu) folgte 1959; das Stellwerk
ist ortsbedient am 19. 9. 1960 in Betrieb genommen worden.
Das Fernsteuerstellwerk der Abzweigstelle Buchhorst wurde
am 30. 1. 1961 ortsbe- dient dem Betriebe übergeben.
Mit dem Bau der neuen Stellwerksanlagen von Bhf wurde 1958
begonnen. Um die Stelleinrichtungen des Zentral- stellwerks
einbauen und prüfen zu können, wurde es not- wendig, die
Bedienungseinrichtungen des oben erwähnten Umbaustellwerks
Bof in einen behelfsmäßigen Holzbau auf dem Dach des Langgebäudes
zu verlegen. Für die Umlegung wurden die Leitungen des Stelltisches
Bof auf Stecker gelegt und passende Anschlüsse im Behelfsbe-
dienungsraum geschaffen; nach diesen Vorbereitungen ge-
lang das Umsetzen des Stelltisches am 1. 3. 1959 in einer
Betriebspause von nur einstündiger Dauer. Die Aufstell-
ung der neuen Relaisanlagen für das Stellwerk Bhf und die
fern gestellten Abzweigstellen war durch die Relaisgestelle
von Bof nicht behindert, da diese auf dem zunächst nicht
benötigten Platz der Relaisgestelle für Fernsteuerung und
selbsttätige Zuglenkung untergebracht worden waren. |
Die Arbeiten für das Stellwerk
Bhf schritten planmäßig fort, so daß es am 5. 9. 1960 in
Betrieb genommen wer- den konnte. Gleichzeitig wurde Bof
stillgesetzt und an- schließend ausgebaut.
Zeitlich mit Bhf etwa gleichlaufend wurde auch das Stell-
werk Ba gebaut und am 1. 8. 1960 in Betrieb genommen. Im
Laufe des Septembers 1960 wurden die Stillegung des alten
und der Anschluß des neuen Personenbahnhofs an die Streckengleise
nach Westen und Süden vorbereitet. Mit der Inbetriebnahme
des neuen Personenbahnhofs Braunschweig in der Nacht vom
1. zum 2. Oktober 1960 erhielten die Stellwerke Bhf und
Ba die nach der Ein- schaltung zunächst nur kleine Betriebsaufgaben
hatten, ihre volle betriebliche Belastung. Seit Anfang 1961
be- steht folgender Betriebszustand der Signalanlagen:
Die Stellwerke Bhf und Ba und die fernbedienten Ab- zweigstellen
Okerbrücke und Mückenburg sind in endgül- tiger Form in
Betrieb;
die Abzweigstellen Teufelsspring, Gabelung und Buch- horst
sind ortsbedient in Betrieb;
auf den Abzweigstellen Lünischteich und Schmiede- kamp sind
noch die alten mechanischen Anlagen in Be- trieb, die neuen
Anlagen noch im Bau;
Selbstblock ist auf allen Gleisen vom Hauptbahnhof bis Teufelsspring
und Mückenburg eingeschaltet;
von Teufelsspring nach Groß Gleidingen und Beddingen ist
Relaisblock in Betrieb; außerdem ist vorübergehend bis zur
Inbetriebnahme des Selbstblocks zwischen Bhf und Schmiedekamp
auf drei Streckengleisen und von Mückenburg nach Lünischteich
auf einem Streckengleis Relaisblock eingerichtet;
zwischen der Abzweigstelle Gabelung und dem mechani- schen
Behelfsstellwerk 1 des Rangierbahnhofs, ferner zwischen
der Abzweigstelle Buchhorst und den benach- barten Betriebsstellen
ist bis zur Einschaltung des Selbst- blocks vorübergehend
Handblock eingerichtet;
Zugnummernmeldung mit Zugzeitdrucker, Fernsteuerrung und
selbsttätige Zuglenkung sind noch nicht in Betrieb.
H.
Ausblick
Die bisherigen Betriebserfahrungen zeigen, daß die Stell-
werke und Blockeinrichtungen gut arbeiten und die Stö- rungen
sich in den für neue Dr-Anlagen üblichen Grenzen halten.
Das überrascht nicht: Die Konstruktion der Stell- werke
Bhf und Ba entspricht im wesentlichen der in Krei- ensen
und Wolfsburg bewährten ersten Spurplanstell- werksbauform
von Siemens & Halske, und die Bauform DrS der Fernsteuerstellwerke
ist seit vielen Jahren erpro- bt. Es besteht auch kaum ein
Zweifel daran, daß nach In- betriebnahme der noch fehlenden
Einrichtungen die ge- samten Stellwerksanlagen einwandfrei
und zuverlässig ar- beiten werden, da Zugnummernmeldung,
Fernsteuerung und selbsttätige Zuglenkung bereits an anderen
Orten mit gutem Erfolg verwendet werden.
Wenn alle Anlagen in Betrieb sind, wird sich auch zeigen,
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| ob sie mit der vorgesehenen
Personalbesetzung bedient werden können :und ob damit die
geplante Personaler- sparnis von 85 Kräften eintreten wird.
Dies ist mit gutem Grund zu erwarten, weil die betrieblichen
Verhältnisse und die Personalbesetzung des neuen Bahnhofs
vorher eingehend studiert worden sind. Vielleicht ist mit
den Sig- nalanlagen des Personenbahnhofs Braunschweig die
neue |
Bauform eines für größere Personenbahnhöfe
geeigneten zentralen Knotenstellwerks mit besonders kleinem
Perso- nalaufwand entstanden. Die Entwicklung wendet sich
bei den großen Gleisbildstellwerksanlagen jedenfalls deutlich
von den schwerfällig arbeitenden Anlagen mit Befehlsein-
richtungen ab und strebt hin zu den schnellen und wendi-
gen Zentralstellwerken mit kleiner Besetzung. |
1-2500-008 Printed in Germany
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563.5 |
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