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Stromabnehmerschaden an Lok 1099.011-7 am 12. August 2008

Die Tunnel der Mariazellerbahn verfügen nur über ein sehr enges Lichtraumprofil, da sie noch für den Dampfbetrieb ausgelegt wurden. Darüber hinaus sind aufgrund der geologischen Gegebenheiten viele Tunnel der Mariazellerbahn sehr feucht, weshalb es gerade im Winter sehr oft zu erheblicher Eiszapfenbildung an den Tunneldecken kommt.
Diese Eiszapfen stellen allerdings eine erhebliche Gefahr für die Stromabnehmer der elektrisch betriebenen Fahrzeuge dar, da nicht auszuschließen ist, daß von der Tunneldecke herabhängende Eiszapfen die Schleifleiste des Stromabnehmers beschädigen, wenn dieser bei voller Fahrt gegen einen dieser Eiszapfen läuft.

Da sich aufgrund des engen Lichtraumprofils in den Tunneln die Stromabnehmer der elektrisch betriebenen Fahrzeuge bei Tunneldurchfahrten sehr weit absenken, so daß der Fahrdraht nur wenig oberhalb des Daches der Lokomotiven verläuft, lag es nahe an der Oberschere der Stromabnehmer der Elektroloks der ÖBB-Reihe 1099 je einen Eisbrecherbügel in kurzer Entfernung links und rechts der Schleifleisten zu montieren. Sie schlagen die Eiszapfen ab, bevor die Schleifleiste mit diesen in Berührung kommen kann.

Gerade jedoch diese im Winter so vorteilhaften Eisbrecherbügel sollten sich am 12. August 2008 im Verlauf der Fahrt des Zuges R 6837 von St. Pölten Hauptbahnhof nach Laubenbachmühle als hinderlich erweisen.

Für eine vergrößerte Darstellung der Aufnahmen bitte das jeweilige Bild anklicken!

Auf diesem Bild aus dem Stromabnehmer-Lager der Zugföderungsstelle St. Pölten-Alpenbahnhof, kann man die Eisbrecherbügel links und rechts der Schleifleiste erkennen.
Am späten Nachmittag dieses Tages wollte ich den Zug R 6837 am Natterstunnel abpassen und hatte mir, nachdem ich aufgrund der Enge des Tals mein Auto in einiger Entfernung geparkt hatte, einen guten Standplatz mit Blick auf den Tunnelmund und die Strecke ausgesucht, der perfekte Lichtverhältnisse für den in gut einer Viertelstunde zu erwartenden Zug versprach.
Der Zeitpunkt der Zugdurchfahrt rückte unaufhaltsam näher, jedoch von dem erwarteten Zug war nichts zu vernehmen. Unterdessen wurden die Schatten im engen Natterstal lang und länger und als ich schließlich gut eine Dreiviertelstunde gewartet hatte und der Tunnelmund mittlerweile auch schon im Schatten der benachbarten Berge lag, beschloß ich nicht länger zu warten.
Auf dem Weg zum Auto kamen mir am Straßenrand mehrere Fußgänger entgegen, genauso wie sie mir schon vorher, als ich noch verzweifelt an meiner Fotostelle ausgeharrt hatte aufgefallen waren und bald stellte sich im Gespräch mit ihnen heraus, daß der von mir so sehnlichst erwartete Zug im nur gut einen Kilometer entfernten Bahnhof von Schwarzenbach an der Pielach mit einem technischen Gebrechen untauglich geworden war und auf Hilfeleistung wartete.
So schön wie auf dieser Probeaufnahme hätte die Aufnahme am Natterstunnel am 12.08.2008 werden können, wenn doch bloß der ersehnte Zug R 6837 gekommen wäre.
Sobald ich das Auto erreicht hatte machte ich mich deshalb auf den Weg zum nahen Bahnhof von Schwarzenbach an der Pielach, wo ich auf den im durchgehende Hauptgleis stehenden Zug R 6837 mit der untauglich gewordenen Lok 1099.011-7, sowie seine Mannschaft und einige verbliebene Reisende traf. Die Verspätung des Zuges R 6837 betrug zu diesem Zeitpunkt bereits respektable 45 Minuten, jedoch dabei sollte es nicht bleiben.

Es bedurfte nur eines kurzen Gespräches mit dem Triebfahrzeugführer, um Art und Umfang des technischen Gebrechens der Lok zu überschauen. An eine behelfsmäßige Reparatur und eine anschließende Weiterfahrt war indes nicht zu denken, allein schon, da ein Besteigen des Lokomotivdaches zur Beseitigung des Schadens aufgrund der spannungsführenden Oberleitung unmöglich war.

Als ich Schwarzenbach an der Pielach erreichte, stand der Zug R 6837 mit der untauglichen Lok 1099.011-7 schon 45 Minuten wartend auf dem Hauptgleis. Die meisten der verbliebenen Reisenden hatten bereits ihren weiteren Heimweg zu Fuß angetreten, weshalb neben der Zugmannschaft nur noch wenige Reisende auf die Weiterfahrt warteten.
Ein kurzes Gespräch mit dem Triebfahrzeugführer reichte um zu erfahren was vorgefallen war und warum der Zug seine Fahrt nicht fortsetzen konnte.
Sogar von unten konnte man das Malheur sofort erkennen, der gebrochene Eisbrecherbügel hatte mit seinen beiden verbogenen Enden die Wippe des Stromabnehmers blockiert.
Da hier in Schwarzenbach an der Pielach nichts weiter auszurichten war, beschloß ich nach Laubenbachmühle zu fahren um beim dortigen Fahrdienstleiter in Erfahrung zu bringen, was nun als nächstes passieren sollte. Irgendwie mußte ja der liegengebliebene Zug von der Strecke geholt werden um den weiteren Zugverkehr nicht noch mehr zu beeinträchtigen.

Von dem gut eine Stunde vor dem untauglich gewordenen Zug R 6837 verkehrenden Zug R 6835 stand dort die Lok 1099.008-3 abgestellt. Sie sollte am Abend den Leerpersonenzug aus Zug R 6841 zurück nach St. Pölten-Alpenbahnhof bespannen. Somit war zwar eine Zuglokomotive zur Bergung des Zuges R 6837 vorhanden, jedoch es fehlte ein Triebfahrzeugführer um den liegengebliebenen Zug von Schwarzenbach an der Pielach nach Laubenbachmühle abzuschleppen.

In Laubenbachmühle stand zum Glück die Lok vom Zug R 6835 abgestellt und wartete auf ihre Rückfahrt nach St. Pölten-Alpenbahnhof, die am späten Abend mit dem Leerpersonenzug aus Zug R 6841 erfolgen sollte.
Eine Lok zum Abschleppen war also vorhanden, es fehlte nur noch ein Triebfahrzeugführer, der die Lok nach Schwarzenbach an der Pielach hätte fahren können.
Kurz nach 18:00 Uhr fuhr dann planmäßig in Laubenbachmühle der Zug R 6816 von Mariazell ein, dessen Triebfahrzeugführer kurzerhand zwangsverpflichtet wurde mit der abgestellten Lok 1099.008-3 den liegengebliebenen Zug R 6837 zu bergen.
Die Reisenden des Zuges R 6818 konnten derweil ihre Wartezeit damit überbrücken, den Bahnhof Laubenbachmühle zu erkunden.
Wenn es das früher hier am Bahnhof befindliche Büffet noch gegeben hätte, hätte man dort an diesem Tag sicherlich einen Umsatz gemacht, der in die Geschichte eingegangen wäre.
Der fehlende Triebfahrzeugführer für die Fahrt zur Bergung des Zuges R 6837 in Schwarzenbach an der Pielach kam kurz nach 18:00 Uhr mit dem Zug R 6816, dessen Weiterfahrt aufgrund des liegengebliebenen Zuges R 6837 ohnehin nicht möglich war, in Laubenbachmühle an.
Nun mußte nur noch die Lok 1099.008-3 aufgerüstet werden und die Bergungsfahrt nach Schwarzenbach an der Pielach konnte beginnen.
Sobald die in Laubenbachmühle abgestellte Lok 1099.008-3 aufgerüstet war und über Gleis 3 umgesetzt hatte, konnte die Fahrt nach Schwarzenbach an der Pielach beginnen um den liegengebliebenen Zug R 6837 abzuschleppen.
Nur zwei Aufnahmen gelangen mir von der einzeln fahrenden Lok 1099.008-3 auf ihrer knapp neun Kilometer langen Fahrt nach Schwarzenbach an der Pielach, die sie mit erstaunlicher Geschwindigkeit absolvierte.
Links sehen wir die Lok kurz vor Frankenfels und rechts bei Hofstadt.
Nachdem die Lok 1099.008-3 Schwarzenbach an der Pielach erreicht hatte, wurde sie sofort vor den dort wartenden Zug R 6837 mit der untauglich gewordenen Lok 1099.011-7 gespannt. Auch die Starkstromelektriker der EVN waren zwischenzeitlich schon eingetroffen und schalteten, nachdem die Loks zusammengekuppelt waren die Fahrleitung ab, um das Dach der Lok besteigen zu können und den Stromabnehmer dort behelfsmäßig zu befestigen.
Das war nötig um zu verhindern, daß der Stromabnehmer während der Tunneldurchfahrten gegen den Fahrdraht schlagen und dabei noch mehr Schaden anrichten könnte.
Bereits 91 Minuten Verspätung hatten sich angesammelt als Lok 1099.008-3 endlich Schwarzenbach an der Pielach erreicht hatte und an den liegengebliebenen Zug R 6873 mit der untauglichen Lok 1099.011-7 angekuppelt wurde.
Nachdem die Bremsprobe durchgeführt worden war und die Fahrleitung durch die zwischenzeitlich eingetroffenen Starkstromelektriker der EVN abgeschaltet worden war, konnten diese noch eben den beschädigten Stromabnehmer der Lok 1099.011-7 am Dach der Lok mit Draht festbinden, damit er während der Fahrt im Tunnel nicht versehentlich die Fahrleitung berühren konnte.
Kaum das der Stromabnehmer auf diese Weise gesichert und die Fahrleitungsspannung im Bahnhof Schwarzenbach an der Pielach wieder eingeschaltet war, setzte sich der Bergungszug auch schon in Bewegung. Seine Verspätung hatte sich seit dem ich vorher von Schwarzenbach an der Pielach nach Laubenbachmühle weggefahren war mehr als verdoppelt betrug nun immerhin schon über eineinhalb Stunden!

Fast sah es nach einer klassischen Vorspannleistung aus, wenn nicht die zweite Lok abgebügelt und der Zug ohnehin viel zu kurz gewesen wäre um eine echte Vorspannleistung zu rechtfertigen, noch dazu, da er ja gar nicht über die Bergstrecke verkehren sollte.

Nun mußte nur noch die Fahrleitung wieder eingeschaltet werden und der Weiterfahrt des Zuges R 6837 stand nun nichts mehr im Wege.
Hier sehen wir die unechte Vorspannleistung mit Lok 1099.008-3 und Lok 1099.011-7 kurz vor erreichen des Bahnhofs Frankenfels mit beachtlichen 97 Minuten Verspätung.
Mit einer Verspätung von 98 Minuten erreichte die Bergungsfahrt schließlich den Zielbahnhof Laubenbachmühle. Hier konnte der Triebfahrzeugführer, der mit der Lok 1099.008-3 dem untauglichen Zug R 6837 zu Hilfe geeilt war, wieder die Lok seines Zuges  R 6816 besetzen um die Fahrt nach St. Pölten Hauptbahnhof fortzusetzen, worauf der örtliche Fahrdienstleiter schon ungeduldig gewartet hatte.

Dem Triebfahrzeugführer des Zuges R 6837, der zwischenzeitlich den Führerstand der Lok 1099.008-3  erklommen hatte, oblag nun seine Zugfahrt abzuschließen. Dazu zählte, die Wagengarnitur ans Ende der bereits in Gleis 4 vom Zug R 6835 abgestellten Personenwagen anzuhängen und anschließend die untaugliche Lok 1099.011-7 abzustellen.
Zu guter Letzt mußte er dann noch die Lok 1099.008-3, die wie bereits erwähnt eigentlich mit dem Leerpersonenzug aus Zug R 6841 hätte nach St. Pölten-Alpenbahnhof zurückkehren sollen, statt dessen vor den im Gleis 4 abgestellten Wagenpark für den am frühen Morgen des Folgetages verkehrenden Zug R 6822 vorspannen.

Mit 98 Minuten Verspätung erreichte der abgeschleppte Zug R 6837 endlich seinen Bestimmungsbahnhof, Laubenbachmühle.
Noch während der Zug nach Gleis 3 einfährt, begab sich der örtliche Bahnhofsarbeiter zur Einfahrweiche, um den Fahrweg des Zuges R 6837 nach dessen Einfahrt aufzulösen und die Ausfahrt des wartenden Zuges R 6816 vorzubereiten.
Endlich ist die Strecke wieder frei und die Ausfahrt des Zuges R 6816 eingestellt.
Als dann der Triebfahrzeugführer des Zuges R 6816 seine Maschine wieder bestiegen hatte und die Fahrgäste auch alle wieder in den wartenden Zug eingestiegen waren, konnte er letztlich mit 40 Minuten Verspätung seine Fahrt nach St. Pölten Hauptbahnhof fortsetzen, weshalb der Fahrdienstleiter auch schon dienstbeflissen auf seine Uhr schaut.
Nachdem die Loks 1099.008-3 und 1099.011-7 den Wagenpark aus Zug R 6837 noch rasch an das Ende der bereits auf Gleis 4 abgestellten Wagen von Zug R 6835 heranrangiert hatten, mußte nun noch einmal über Gleis 3 umgesetzt werden.
Der Triebfahrzeugführer des Zuges R 6837, der zwischenzeitlich schon auf den Führerstand der Lok 1099.008-3 gewechselt hatte, schiebt nun nur noch die untaugliche Lok 1099.011-7 auf das Abstellgleis am nördlichen Bahnhofskopf von Laubenbachmühle.
Der Triebfahrzeugführer der Lok 1099.008-3 hat die untaugliche Lok 1099.011-7 abgestellt. Sie wurde durch den Bahnhofsarbeiter von Laubenbachmühle, der in Personalunion Weichenwärter und Rangierer ist, abgekuppelt und ordnungsgemäß festgebremst und wartet nun auf ihr weiteres Schicksal.
Den am nächsten Morgen verkehrenden Zug R 6822 wird sie jedenfalls nicht bespannen können.
Unterdessen fährt Lok 1099.008-3 an die im Gleis 4 abgestellte Wagengarnitur für den am nächsten Morgen verkehrenden Zug R 6822 und wird sogleich an diese angekuppelt.
Außerplanmäßig fährt sie somit nicht mit dem später am Abend verkehrenden Leerpersonenzug nach St. Pölten-Alpenbahnhof zurück, sondern übernachtet statt dessen in Laubenbachmühle.
Hier ist nochmals die untauglich abgestellte Lok 1099.011-7 in Laubenbachmühle zu sehen.
Der Stromabnehmer der abgestellten Lok 1099.011-7 ist fachgerecht heruntergebunden.
Von dem neben dem Abstellgleis befindlichen Hang aus ist nochmals das gesamte Ausmaß des Schadens am Eisbrecherbügel der Lok 1099.011-7 zu sehen.
Ohne das Improvisationstalent und den Willen zu unkonventionellen Lösungen seitens der beteiligten Eisenbahner wäre in Folge dieses Zwischenfalls sicherlich der weitere Zugbetrieb an diesem Tag südlich von Kirchberg an der Pielach zum Erliegen gekommen.
Statt dessen konnten jedoch sogar Aufgrund der relativ vielen, noch mit Personal besetzten Bahnhöfe entlang der Mariazellerbahn im weiteren Verlauf dieses Abends mit einer Ausnahme auch die weiteren Züge zwar mit teils erheblicher Verspätung, jedoch wenigstens überhaupt noch über die Strecke gebracht werden. Lediglich der Zug R 6841 fiel ab Kirchberg an der Pielach aus und wurde von dort als Leerpersonenzug nach St. Pölten-Alpenbahnhof zurückgeschickt. Die Reisenden aus diesem Zug mußten deshalb mit dem 80 Minuten verspäteten Zug R 6817, der immer noch in Kirchberg an der Pielach stand als der Zug R 6841 dort eintraf, ihre Weiterfahrt nach Mariazell antreten.

Erst auf den Tag genau dreiundzwanzig Monate später gelang mir dann doch noch die Aufnahme an der Ausfahrt des Natterstunnels, wenn auch der Zug mit knapp zehnminütiger Verspätung die Fotostelle passierte, so kam er immerhin überhaupt durch, wie auf dem folgenden Bild zu sehen ist.

Da ich die Ausfahrt aus dem Natterstunnel ja nun leider an diesem denkwürdigen 12. August 2008 nicht im Bild festhalten konnte, versuchte ich bei einem späteren Besuch der Mariazellerbahn nochmals mein Glück an der selben Stelle.
Am 12. Juli 2010, genau 23 Monate nach dem ersten Versuch, hat es dann mit dem Zug R 6837 doch noch so geklappt wie beabsichtigt. Allerdings hätte sich dieser Zug an diesem Tag auch nicht wesentlich mehr Zeit mit seiner Durchfahrt durch den Tunnel lassen dürfen. Aufgrund seiner zehnminütigen Verspätung streben auch hier die Schatten der Berge dem Tunnelportal schon langsam und unaufhaltsam entgegen.

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Letzte Aktualisierung 11.2011 © by Ingo Foege