Ingo's
Eisenbahnseiten

www.foegehome.de

News

Allgemeines

Fahrzeuge

Streckenportraits

Bildergalerien

Links

e-mail

Gästebuch

Impressum

Home Fahrzeuge Die Baureihen 614, 624, 634 und 719 der DB Die Vorserientriebzüge der Baureihe 624

Die Vorserientriebzüge der Baureihe 624

Als Vorserie für eine neue Generation an Verbrennungstriebwagen mittlerer Leistung wurde bei den Firmen MAN und der Waggonfabrik Uerdingen je zwei Triebzüge, bestehend aus zwei identischen Motorwagen sowie einem Mittelwagen in Auftrag gegeben. Dabei sollten die beiden Firmen im Rahmen des vorgegebene Pflichtenheftes eigene Ideen in die Konstruktion einfließen lassen. Ein Vergleich der beiden Fahrzeugfamilien und die Auswahl der jeweils besten Komponenten sollte dann für den Entwurf der Serienfahrzeuge maßgeblich sein.
Da vorauszusehen war, daß die Fahrzeuge in vielen Einzelheiten voneinander abweichen würden, erhielten die von MAN zu liefernden Triebzüge die Baureihenbezeichnung VT/VM 23.5, während die, von der Waggonfabrik Uerdingen zu liefernden Triebzüge die Baureihenbezeichnung VT/VM 24.5 erhalten sollten.

Als Zug E3543 hat am 24.05.1985 der Triebwagen 624 503, einer der MAN-Vorserienfahrzeuge, soeben den Hauptbahnhof von Braunschweig erreicht.
1. Der Fahrzeugteil

Die grundlegenden Konstruktionsvorgaben für die Triebwagen VT23.5 und VT24.5 waren durch das Pflichtenheft für beide Herstellerfirmen festgelegt, weshalb die Fahrzeuge auch in weiten Teilen identisch ausgeführt wurden. Trotzdem ließen diese Vorgaben den beiden Herstellerfirmen jedoch so weite Spielräume, daß letztlich doch zwei deutlich unterschied- liche Triebwagenausführungen entstanden.

So Unterscheiden sich die Fahrzeuge von MAN von denen der Waggonfabrik Uerdingen besonders auffällig in der Gestal- tung des Wagenkastens. Während die MAN-Triebwagen einen, den Nahverkehrswagen vom Typ "Silberling" ähnelnden Grundriß aufweisen, ist der Grundriß der Uerdinger Triebwagen eher mit dem der Eilzugwagen des Typs "yl" verwand. Dementsprechend verfügen die Fahrzeuge aus der Lieferung der Waggonfabrik MAN über zwei große, zweitürige Mittel- einstiege, während die Uerdinger Triebwagen nur über einen Mitteleinstieg, dafür aber einen zusätzlichen, eintürigen End- einstieg verfügen. Der Verzicht auf den zweiten Mitteleinstieg führt zwar zu einem etwas verlangsamten Fahrgastwechsel, dafür bieten diese Fahrzeuge aber zwei zusätzliche Sitzplätze.
Abfahrbereit steht der Zug E3410 am 02.12.84 mit dem Triebwagen 624 507 im Bahnhof Wolfsburg.
Bei diesem Triebwagen handelt es sich um eines der Vorserienfahrzeuge von MAN.
Auch in der Gestaltung der Kopfform unterscheiden sich die beiden Konstruktionen recht erheblich. Während die MAN- Fahrzeuge lediglich gerundete Übergänge der Stirnfront zu den Seitenwänden aufweisen, sind bei der Uerdinger Konstruktion auch die Kanten zum Dach hin sowie die Frontschürze gerundet, außerdem sind die Führerstandsseitenfenster mit ihrer rückwärtigen Kante schräg statt senkrecht, wie bei den MAN-Fahrzeugen, ausgeführt.
Zusätzlich verfügen die Uerdinger Fahrzeuge über Seitenwandschürzen längs des gesamten Wagenkastens, während die Triebzüge aus Nürnberger Produktion lediglich im Bereich der Einstiege über kurze Schürzenbereiche verfügen.

2. Die Antriebsanlage

2.1. Der Motor

Die neuen Dieseltriebwagen sollten ein ausreichendes Beschleunigungsvermögen zur Verkürzung der Fahrzeiten entwickeln, wozu neue, leistungsfähige Motoren einzusetzen waren. Derartige Motoren, die unterflur zu montieren waren, standen aber noch nicht in der gewünschten Form zur Verfügung, b.z.w. befanden sich seitens der Hersteller noch in der Entwicklungs- oder Erprobungsphase. Deshalb wurden drei unterschiedliche Motortypen ausgewählt, die allesamt wahlweise einzusetzen waren. Dabei handelte es sich um den aufgeladenen 6-Zylinder-Reihenmotor (MB 846 Bc) der Firma Daimler- Benz mit einer Nennleistung von 350 PS sowie zwei 12-Zylinder-Boxermotoren, einer ohne Aufladung, von der Firma MAN (D 2850 MTU) mit einer Leistung von 450 PS sowie ein aufgeladener Motor der Firma MWM (TRHS 518 B 12) mit einer Nennleistung von 500 PS.

Aufgeladener 6-Zylinder-Reihenmotor (MB 846 Bc) der Firma Daimler-Benz mit einer Nennleistung von 350 PS bei 1600 min-1 aus einem Hubvolumen von 20,1 Litern.

Da von diesen drei Motoren jedoch nur der leistungsschwächste Motor der Firma Daimler-Benz verfügbar war, er war bereits als Ersatz für die veralteten Motoren der VT45 verwendet worden, wurde schon in der Bestellung festgeschrieben, daß die Triebzüge zunächst nur zweiteilig einzusetzen wären und ein Mittelwagen nur zu Verstärkungszwecken beizustellen wäre um die angestrebte spezifische Leistung von 10 PS/t zu erreichen. Allerdings war die Motoraufhängung so zu konstruieren, daß ein nachträglicher Tausch der Dieselmotoren auf leistungsstärkere Typen problemlos möglich sein sollte um auch im Regelbetrieb als dreiteilige, in Spitzenzeiten sogar als vierteilige Triebwageneinheit fahren zu können.
12-Zylinder-Boxermotoren mit Aufladung der Firma MWM (TRHS 518 B 12) und einer Leistung von 500 PS bei 1765 min-1 aus einem Hubvolumen von 33,2 Litern.

Die Unwegbarkeiten hinsichtlich des Motoreneinsatzes waren dabei aber offensichtlich so groß, daß man vorichtshalber die 1. Klasse Abteile im Motorwagen anordnete, damit auch ein zweiteiliger Zug über beide Wagenklassen verfügen würde. Im Hinblick auf den Reisekomfort, gerade in der ersten Klasse, ist diese Entscheidung natürlich sehr schmerzlich, da ja gerade die motorlosen Mittelwagen eine wesentlich ruhigere und damit angenehmere Fahrt für den Fahrgast bieten.

Außer dem MAN-Motor mit seinen 450 PS konnte sich keiner der beiden anderen Motoren durchsetzen, so daß letztlich alle Triebwagen der Baureihen 614, 624, 634 und 719 mit dieser Motorentype ausgestattet wurden. Für einen unterflur einzubauenden Triebwagenmotor hatte der MAN-Motor in der Tat einige Vorzüge gegenüber seinen Konkurrenten. Er verfügte über die höchste Literleistung (19,8PS/l), das niedrigste spezifische Gewicht (5,5kg/PS), wobei auch sein absolutes Gewicht im Mittelfeld aller drei Motoren lag, außerdem versprach er deutlich geringeren Wartungsaufwand, da er auf eine Abgasaufladung verzichtete.

2.2. Das Getriebe

Als Getriebe wurde zunächst ein hydromechanisches Vierganggetriebe der Firma EMG vom Typ S350 vorgesehen. Dieses Getriebe besaß drei mechanische Gangstufen die über einen Föttingerwandler mit dem Motor gekuppelt waren sowie einen vierten Gang, der die selbe Übersetzung wie der dritte Wandlergang besaß, jedoch als Direktgang unter Umgehung des Wandlers ausgeführt war.
Das elektrohydraulisch geschaltete Wendegetriebe war im selben Gehäuse untergebracht.

Hydromechanisches Vierganggetriebe der Firma EMG vom Typ S350.

Alternativ sollte die Verwendbarkeit eines neuen, für Eingangsleistungen bis 500 PS ausgelegten Zweiwandler-Voith-Ge- triebes (T 204 r) erprobt werden, da das EMG-Getriebe nicht für die höheren Motorleistungen der MAN- und MWM-Motoren brauchbar war. Dieses befand sich jedoch bei Konstruktionsbeginn der Triebwagen noch in der Erprobungsphase und konnte daher für die ersten Fahrzeuge noch nicht verwendet werden.
Bei beiden Getrieben handelte es sich um vollautomatische Getriebe, die die jeweilige Gangstufe, basierend auf dem jeweiligen Betriebszustand, selbst einsteuern.

Da sich das Zweiwandler-Voith-Getriebe in den Probeeinsätzen gut bewährte, wurde es schließlich für die Serie übernommen. Dadurch wurde es auch möglich, die neuen, stärkeren MAN-Motoren in den Fahrzeugen einzusetzen, da nun ja ein Getriebe zur Verfügung stand, daß die höhere Ausgangsleistung dieser Motoren verkraftete.


2.3. Das Achsgetriebe

Über ein mechanisches Kegelrad-Achsgetriebe an jeder Achse des Triedrehgestells, die untereinander sowie mit dem Hauptgetriebe über Gelenkwellen verbunden sind erfolgt der Antrieb des Triebwagens jeweils über das Drehgestell am Führeraumende.
Treibradsatz mit Achsgetriebe des VT23.

3. Der Wagenkasten

Der Wagenkasten ist in einer selbsttragenden Spanten- und Schalenbauweise auf einem, aus Stahlprofilen zusammengeschweißten Untergestell aufgebaut, das mit vorgeformten Blechteilen beblecht wurde. Aufgrund der gewählten Bauweise konnten die dreiteiligen Triebzüge VT23/VT24 gegenüber einem dreiteiligen VT12 mit Steuerwagen um rund 3t leichter ausfallen.
Trotz dieses Leichtbaus der Wagenkästen konnten an den Führerraumenden der Triebwagen normale Zug- und Stoßeinrichtungen angebaut werden, die das einfache Mitführen zusätzlicher Wagen gestattet. Um jedoch die zweiteiligen Triebzüge im Betrieb flexibel um einen Mittelwagen Verstärken zu können, wurden jedoch die Triebwagen an der Kurzkupplungsseite sowie die Mittelwagen an beiden Wagenenden mit der selbsttätigen Scharfenbergkupplung ausgerüstet.
Stirnseitig wurden die Triebwagen mit Übergangstüren, -blechen und -gittern ausgerüstet um einen Durchgang für Personal und Fahrgäste von einem Triebzug zum Nächsten zu ermöglichen. Kurzkupplungsseitig wurde die gleiche Übergangskonstruktion wie beim VT11.5 gewählt.

Untergestell des VT23.

Home Fahrzeuge Die Baureihen 614, 624, 634 und 719 der DB Die Vorserientriebzüge der Baureihe 624

Seitenanfang

Letzte Aktualisierung 11.2011 © by Ingo Foege